Fahrtenbuch Teil 12: Ironie ist…

… die humorvollste Art der Selbstkritik (Sinan Gölül). Das durfte ich während der Zwischen-prüfung 3 persönlich erfahren. In unserer Ausbildung trägt sie den Namen Standort-bestimmung, Wer jetzt an eine Zeugnisbesprechung Ende des Schuljahres in der Oberstufe denkt, könnte nicht falscher liegen. Hinter dem klingenden Namen verbirgt sich ein Theorietest (einmal mit Allem und extra scharf) und eine 1.5h dauernde Fahrplanrunde am Simulator mit Experten. Bei Nichtbestehen fliegt man zum Glück nicht gerade raus, aber sie ist das wichtigste Element für das Gespräch in zwei Wochen mit Klassenverantwortlichen und Ausbildern. An diesem Gespräch wird entschieden, ob ich zur Abschlussprüfung zugelassen werde oder sie mir nahelegen, den nächsten Zug zu nehmen, Lyss einfach.

Da die letzten Fahrplanrunden doch immer wie besser liefen, war ich eingermassen zuversichtlich für die praktische Prüfung, entschuldigung Standortbestimmung. Die Runde war mit einem Ausbilder, der quasi ein Drechbuch inklusive aller Rollen durchspielte. Der Fahrdienstexperte (kurz FEX genannt) sass an einem separaten Terminal und protokollierte und bewertete jeden meiner Schritte. Parallel lief das elektronische Protokoll des Stellwerks auf dem jeder meiner Klicks aufgezeichnet wurde. Einmal mehr wäre ich vor Nervosität fast gestorben (aber das muss ich wohl nicht mehr extra erwähnen), nach bangem Warten ging es endlich los, und wie. Ein Anruf nach dem anderen, das Schwierige war rechtzeitig das Richtige zu tun. Unerbittlich tickte der Fahrplan und liess kaum Zeit zum Verschnaufen. Ein paar Dinge hätte ich eleganter machen können, aber bis 1h und 15 min hatte ich den Eindruck, dass ich es recht gut gemeistert habe. Ich musste rangieren, Gleise sperren, Fahrleitung sichern, eine liegengebliebene Lok abholen und eine Blockstörung beheben. Zum Schluss kam genau dieses Beispiel, dass ich im letzten Beitrag beschrieben habe. „Das spiele ich nun souverän runter, dann habe ich es geschafft“, sagte ich ich mir. Und das tat ich auch, bis zum allerletzten Befehl (siehe Punkt 9). Für die Schutzgeschwindigkeit auf der 2. letzten Zeile schrieb ich den falschen Signalnamen auf, ich habe nich bemerkt, dass der Zug aus einem anderen Gleis als der vorherige losfuhr. Ein schwerer Sicherheitsfehler. Durchgefallen. Wenn mir dieser Fehler nicht passiert wäre, hätte ich eine 4.5 bis 5 geschafft. Die Ironie der Sache ist (abgesehen von Blogbeitrag), dass ich mir den Signalnamen hätte sparen können. Der Bahnhofsnamen hätte genügt.