Momentan läuft meine Instruktion an den drei Arbeitsplätzen Önz (Oberaargau), Gäu (Wangen bei Olten bis Wangen an der Aare) und Weissenstein (Solothurn). Je nach Instruktor*in und ihr Vertrauen in mich kann ich schon recht selbständig arbeiten. Hierbei wechseln sich Angst, Stress aber auch Spass und Freude regelmässig ab. Am 5. Juli habe ich dann meinen ersten Arbeitstag alleine, ich versuche noch nicht zufest daran zu denken, mein Herz ist auch nicht mehr das Jüngste. Zwischendurch gibt es auch spezielle Erlebnisse, davon möchte ich gerne drei mit euch teilen.
Der Döner Express
Aus dem Nichts verlangt ein Lf einer Rangierlok eine Fahrstrasse von Langenthal Güterbahnhof in den Personenbahnhof. Seltsam denke ich, in der nächsten Stunde fährt kein Güterzug ab und sie haben gefragt, ob sie die Lok ca. 20 min dort stehen lassen dürfen. Meine Instruktorin Petra und ich schauen uns fragend an, aber was solls, sie werden wissen was sie tun. Als sie zurückfahren meint Petra: Die haben sich sicher ein Glacé geholt. Nicht schlecht geraten, wie sich nach einem kurzen Anruf herausstellt. Sie haben sich einen Döner gegönnt und Petra wünscht ihnen än Guete. Mal ehrlich, gibt es einen „fancier“ Weg, einmal extra scharf mit Allem abzuholen?
Gestresster Lokführer in Solothurn
Rangieren in Solothurn hat seine Tücken, tricky wird es wenn sie einmal quer über alle Gleise nach Luterbach in die Kebag fahren müssen. Das Timing hier ist sehr wichtig, wollen wir doch keinen IC5 oder einen Regionalzug unnötig ausbremsen. Wenn sie dann im Güterbahnhof warten müssen, besteht die Gefahr das sie Vergessen gehen, genau das ist mir aus Versehen passiert. Schon klingelt das Telefon und ein sehr gestresster Lokführer (der originale Wortlaut wird hier aus Jugendschutzgründen nicht protokolliert) meldet sich und droht damit, die Lok stehen zu lassen wenn es nicht weiterginge. Dezent irritiert lege ich den Hörer auf. Meine Kollegin Fabia am Arbeitsplatz daneben beruhigt mich. Manchmal sei man halt der Boxsack und das dürfe man sich nicht zu Herzen nehmen. Sie gebe ihnen jeweils gerade noch ihre Personalnummer durch, falls sie sich beschweren wollen. Paradoxe Intervention einmal anders.
Teamwork mit einem Lf in Hägendorf
Das Problem am Gäu ist, das wir oft zuwenig Gleise haben. Darum ist es wichtig (das bin ich noch am Lernen) immer die nächsten 30 Minuten im Blick zu haben. Was fährt wo ein? Sind die Gleise frei? Soeben hatte ich mir einen schönen Plan zurecht gelegt und wollte gerade einen Kaffee holen, bing, plötzlich ist von Olten her ein Güterzug mit Ziel Oberbuchsiten unterwegs. Wo kommt der jetzt her? An seinem Zielort hat es keinen Platz. Mein „Kollege“ hat vergessen mich zu fragen und jetzt heisst es schnell handeln. Signal zumachen und überlegen, wohin mit diesem Zug. Zum Glück ist es nur eine Lok und ich rufe ihn an und erkläre ihm die Lage. Er ist sehr verständnisvoll und bietet mir an, im Bahnhof auf ein Nebengleis abzukreuzen und dort zu warten. Wahres Teamwork.