Fahrtenbuch Teil 16: X-Factor

Die Fernsehkinder unter euch können sich vielleicht noch an die Sendung X-Factor erinnern. Darin wurden jeweils verschiedene Geschichten vorgestellt, die die Grenze des Denkbaren überschritten. Meist gab es zuerst keine natüliche Erklärung für die Ereignisse in den Stories. Der Clou dabei: Eine Geschichte war erfunden und am Schluss der Sendung (nach endlosen Werbepausen) wurde enthüllt, welche. Dasselbe möchte ich nun euch, liebe Leserinnen und Leser zumuten. Drei Geschichten, die mir alle in derselben Schicht im Weissenstein passiert sind, oder doch nicht? Welche denkt ihr, ist erfunden? Schreibt es in die Kommentare.

(Für die Nostalgiker)

Geschichte 1: Keine Zeit

Von Solothurn führt eine Einspurstrecke nach Biberist, weiter nach Burgdorf. Auf dieser Strecke wurde eine Unregelmässigkeit Fahrbahn gemeldet. Durch das Informationssystem sind wir mit allen angrenzenden Bahnen verbunden. Die Informationen flossen aber nur spärlich und so musste ich mehrmals beim FDL einer nicht weiter genannten schweizer Privatbahn nachfragen, was denn jetzt genau Sache sei. Nach Stunden war endlich der Fachdienst vor Ort um das Gleis zu reparieren. Ich bereitete schon eine Checkliste vor, falls mein Kollege das Gleis nach Solothurn sperren wollte. Weil dieser Abschnitt in einem sogenannten Grenzblockabschnitt liegt, müssen wir das zusammen machen. Plötzlich erschien auf dem Stellwerk eine Sperre, umgehend telefonierte ich dem benachbarten FDL, warum wir nicht zusammen das Gleis sperren? „Ah ja stimmt, ähm, ich hatte gerade keine Zeit dafür…“

Geschichte 2: Die entlaufene Ziege

Ein Lockführer meldete mir, das zwischen Wangen an der Aare und Niederbipp eine Ziege neben dem Gleis herläuft, sie scheint keine Angt vor den Zügen zu haben sondern machte sogar noch Luftsprünge zwischendurch. Umgehend wurden alle Züge informiert, sie sollen an dieser Stelle nach der Ziege Ausschau halten. Der Disponent entschied sich, wegen einer Ziege nicht die Geschwindigkeit zu verringern. Das hätte viele Verspätungsminunten zur Folge und wird eigentlich nur bei grösseren Tieren, die auch die Zugfahrt gefährden können gemacht. Klingt hart, ist aber so. Zum Glück war es ein intelligentes Tier und blieb immer auf einer Seite der Gleise und wurde durch die Signalhörner der Loks kurzzeitig weggescheucht. Nach einer Stunde konnte sie endlich eingefangen werden und ihr Ausflug in die Freiheit nahm ein jähes Ende.

Geschichte 3: Sonnenbaden

Dieser Tag war ein heisser Sommertag. Es ist durchaus verständlich, gerade wenn man am Jurasüdfuss oder im Seeland wohnhaft ist, dass das gute Wetter ausgenützt werden muss. Ein Mann trieb es jedoch ein wenig auf die Spitze. Der Lokführer eines Güterzuges meldete mir bei der Einfahrt Solothurn von Olten her, dass ein nackter Mann auf einem Liegestuhl neben den Gleisen einen Sonnenbad nimmt. Es sei aber noch ein Zaun dazwischen. Seiner Ansicht nach gehe keine Gefahr für den Zugverkehr von ihm aus. Mir fiel nachher die recht ungewöhliche Aufgabe zu, die nachfolgenden Lokführer über diese Situation zu informieren und sie jeweils um eine Einschätzung der Lage zu bitten. „Du verarschst mich jetzt oder?“ „Was hast du gesagt? Nackt?“ „Sollte man öfter machen..“ waren nur einiger der Kommentare, die ich am Telefon erhalten habe.