Paris spécial: Le dernier billet, deuxième partie

Puh, ich habe die Heimfahrt überlebt, aber leider meine Schwester, die erst kürzlich ihren Dienst für Anouk angetreten hatte, nicht. Am nächsten Morgen wurde sie beim Ticketschalter erneut umgetauscht, wenigstens konnten wir zusammen auf der Kommode im Hotel eine Nacht in Paris verbringen. Ich werde sie nie vergessen. Die nette Dame am Schalter erklärte, dass man die Tickets von Handys und Bankkarten fernhalten soll. Seltsamerweise haben drei meiner Brüder auf der Rückseite von Handys überlebt, wie konnte das sein?

Plötzlich hatte Anouk eine Eingebung, die Samsung Handys haben meine Geschwister auf dem Gewissen, die Pixel Handys scheinen keinen Einfluss zu haben. Umgehend wurden wir an einen sicheren Ort im Rucksack verstaut, und so verlief der Rest des Tages ereignislos, bis wir die Heimreise antreten wollten. Wieder streikten zwei von uns, was war denn jetzt wieder? Erneut musste ich mich von ihnen verabschieden, lange halte ich das nicht mehr aus. Auf der Heimfahrt wurde erneut gerätselt, was die Ursache für die erneuten Verluste war. Bis Noël bemerkte, das bei der Sicherheitskontrolle zum Beachvolley nicht alle ihre Taschen abgeben mussten, und somit mit Rucksack oder Tasche gescannt wurden. Höchstwahrscheinlich haben die Metalldedektoren meine Geschwister ermordert. Wieviele Billete mussten an diesen Kontrollen wohl schon ihr Leben lassen? Warum unternimmt niemand etwas dagegen? Dann kam mir wieder in den Sinn, dass wir ja offiziell als illegal eingestuft wurden, also interessierte unser Schicksal kaum jemand. Derweil konnte sich Sveas Olympia Pass bester Gesundheit erfreuen, das Leben ist einfach ungerecht.

Wenigstens stand am nächsten Tag Sightseeing auf dem Programm. Ich freute mich schon auf die klimatisierte Orangerie und Monets Seerosen. Anscheinend schien auch die Familie dazu gelernt zu haben, sicher im Rucksack verstaut konnten wir den Metalldedektoren ausweichen. Im Museum bemerkte ich, dass nochmals ein gründlicher Check anstand. Alle mussten ihre Taschen und Rucksäcke abgeben, die anschliessend von tödlichen Röntgenstrahlen beschossen wurden. Verzweifelt versuchte ich, meine Geschwister zu warnen, doch es war schon zu spät. Ausser mein Bruder und ich hat niemand überlebt. Abermals wurden sie umgetauscht, immer die nächste Bedrohung vor Augen.

à suivre..

Paris spécial: Le dernier billet, prèmiere partie

Darf ich mich vorstellen? Ich bin das Papierbillet 68547407-01 der Verkehrsbetriebe von Paris. Ich bin der letzte noch lebende Nachfahre einer ehemals grossen Billetfamilie. Innerhalb einer Woche habe ich viele meiner Brüder und Schwestern an der Schranke verloren. Ich weiss das unweigerlich das Ende unserer Art näher rückt (Das Ende der Papiertickets), aber noch nie habe ich es so unmittelbar miterleben müssen wie in der letzen Woche. Aber der Reihe nach.

Versendet wurde ich und meine vier Geschwister an eine gewissen Familie Wendel im Mai dieses Jahres. Anscheinend hatten sie vor, wie ich den Diskussionen entnehmen konnte, die Olympischen Spiele in Paris zu besuchen. Sie scheinen gut organisiert zu sein, haben sie mich doch über eine Plattform im Internet zum Voraus gekauf, damit sie am Ankunftstag nicht Schlange stehen müssen. Ich freute mich schon auf meine Einsätze, bis kurz vor Ferienbeginn plötzlich Hektik aufkam. Der Vater hatte einen Bericht gelesen, das ich und meine Familie während den Spielen als illegal eingestuft werden. Die Website der Verkehrsbetriebe bestätigte seinen Verdacht. Mais sacré bleu! Die wollen doch nur die teureren Olympia Pässe mit Chipkarten verkaufen, und unsereins stellt man einfach aufs Abstellgleis! Die Familie hat dann entschieden, es einfach mit uns zu probieren, schliesslich könnten sie mit uns viel Geld sparen.

So kam der Moment der Wahrheit, beim ersten Drehkreuz am Gare du Nord, und siehe da, selbstverständlich funktionierten wir einwandfrei, zufriedene Gesichter und high fives. Aber die Freude währte nicht lange, beim Ausgang in St. Denis versagten die Dienste von Anouks und Sveas Billeten. Wahrscheinlich die Hitze, sagte ich mir. Eine nette Helferin liess sie ohne Probleme durch. Leider wiederholte sich dieses Drama bei der Rückfahrt, und so wurden meine unfähigen zwei Geschwister beim Schalter kurzerhand umgetauscht und entsorgt. Aber die Freude über die Neuankömmlinge währte nur kurz, Sveas neues Billet streikte erneut, worauf sich der Vater entschied, es erneut umzutauschen. Leider war diesmal die Schalterbeamtin besser informiert, und nach langem Diskutieren wurde mein neuer Freund durch einen Olympiapass ersetzt. Ich werde die gemeinse Fahrt auf der RER bleu nie vergessen. Plötzlich lief es mir kalt den Rücken hinunter. Werde ich das nächste Opfer sein? Kann ich solange durchhalten? Ist das meine letzte Fahrt?

à suivre…