The Odyssey oder von Lyss nach Kopenhagen

Aus aktuellem Anlass des lange erwarteten Films von Regie-Gott Christopher Nolan, unsere eigene kleine Odyssee mit der deutschen und dänischen Bahn auf dem Weg von Lyss bis Kopenhagen. Ein Drama in 5 Akten.

Akt I Die Planung

Zwecks Ferien im Sommer in Kopenhagen buchte ich Ende Februar diese Reise für Sonntag den 19.7.26 von Hamburg nach Kopenhagen, nicht zu früh aufstehen, genug Zeit zum Umsteigen und doch noch zu einer guten Zeit am Zielort, passt. Los ging es bereits am Freitag bis Hamburg, um die Perle an der Elbe noch ein wenig unsicher zu machen. Soweit so gut und wir freuten uns bereits auf die Tage im hoffentlich kühleren Norden im Sommer.

Akt II Die zufällig bemerkte Änderung

Weil ich per Zufall eine andere Reise in der DB App buchte, fiel mir auf, das die Verbindung nach Kopenhagen plötzlich rot unterlegt war mit Ausrufezeichen: Diese Verbindung fällt aus, Alternativen suchen. Grund Bauarbeiten. Doch, kann man machen, mitten im Sommer zur Hochsaison die einzige noch vorhandene Strecke (siehe Fehmarnbelt-Tunnel) zu schliessen. Somit fahren am geplanten Sonntag keine Züge, nur Ersatzbusse. 4,5h in einem Hamburger Stadtbus, ohne uns. Somit sucht Cathy ein neues Hotel und wir fahren erst am Montag, dann sollte der Verkehr wieder rollen. Neue Buchung und Reservation. Das Ersatzprogramm zu Kopenhagen ist in Form der Cosmic-Jazz Night im Planetarium Hamburg schnell gefunden.

Akt III Ab Pinne-was?

So ganz traue ich dem Zug noch nicht über den Weg, und siehe da Ende Mai zeigt es wieder an, Verbindung fällt aus, Alternative suchen. Wenigstens fährt er noch, aber erst ab Pinneberg, 45 Minuten ausserhalb von Hamburg, schon um 7:20. Der nette Herr am BLS Schalter Lyss (die beste Anlaufstelle für alle internationalen Zugreisen) bucht uns gratis um und erklärt uns das Dilemma der Baustellen. Die werden oft kurzfristig angeordnet und nicht schon im Jahresfahrplan hinterlegt. Die App warnt aber erst 1 Woche vor Abfahrt, und dann sind die Alternativen oft schon ausgebucht. Deswegen, immer wieder mal kontrollieren ist der beste Tipp. Das Hotel stornieren wir wieder und nehmen nun Quartier im einzigen Hotel in Pinneberg, das mangels Konkurrenz mit ziemlich happigen Preisen aufwartet, was will man machen.

Akt IV Der Zug fährt, ein wenig

Tatsächlich steht um 7:10 in Pinneberg Gleis 4 unser neuer Eurocity nach Kopenhagen. Gut gelaunt steigen wir ein, aber die Stimmung hält nicht lange. Nach 30min kommt die Durchsage, wegen ausserordentlichen Bauarbeiten fährt der Zug nur bis Fredericia. Also steigen wir nach einem Drittel der Strecke in den Bus um, alles gut beschildert und organisiert, sogar das Lokalfernsehen berichtet live vom Ort des Geschehens. In Slagelse kommen wir mit dem Bus an, und werden da auf den nächsten Zug verwiesen, der übervoll ist und auch wieder nur ein Stück fahren kann. Svea kann auf dem Koffer Platz nehmen, wir stehen 1,25 h.

Akt V Uberholen

In Ringstedt wird der Zug wieder geräumt, auf dem kleinen Perron tummeln sich hunderte Leute mit Koffern, Kinderwagen und Surfbrettern. Anscheinend muss nochmals in einen Bus umgestiegen werden und dann nochmals in den (vorraussichtlich) letzten Zug. Als wir das Chaos sehen, hungrig und mit dringendem WC-Bedarf, ne, nicht noch einmal. Uber? Cathy ist zuerst skeptisch, und der angezeigte Preis kann sie auch nicht wirklich überzeugen. Svea entscheidet schlussendlich und so taucht in sechs Minuten Fahrer Kim mit einem bequemen E- Mercedes auf, lädt unsere Koffer ein und wir rauschen auf der Autobahn in Richtung Ziel. Dort passieren wir einen bis unters Dach vollgestopften Kopenhagener Stadtbus, ein gelungenes Uber-hol Manöver.

Ich würde sagen, die Reise hat sich gelohnt. Verspätung auf dem Rückweg Kopenhagen-Lyss: 3 Minuten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.