Fahrtenbuch Teil 3: „FDL Olten David Antworten-„

Willst du gerade links sitzen? – Wenn ihr in diesem Moment im selben Raum wie ich gewesen wärt, hättet ihr mein Herz in die Hose plumpsen hören. – Ja, einmal muss ich ja anfangen. -Was machst du da??- versucht mein Verstand noch einzuwenden. Aber zu spät. So sitze ich nun vor dem GSMR (der graue Telefonkasten) und harre der Dinge, die da kommen werden. Es geht nicht lange und es läutet zum ersten Mal. – Jo sali , do isch dr Tinu vo Härkinge, dr Zug 56790 uf dem 44 isch fahrbereit – Verstande [..]. -Jetzt musst du alle Diskri aufheben, ja das Rad bei der Maus und use mit dem. Das ist der A-Post Zug nach Eclépens, der muss fahren können! – Puh das wäre geschafft. Aber schnell wird es schwieriger: – Rangier Wangen bei Olten, Zwergen im 901* (*im Moment noch fiktive Nummern weil ich sie noch nicht auswendig kann) einschalten und dann vom 901 ins 21 61 übers 45 ins 13, danach abkreuzen ins 81 und weiter ins 83 – (ich versuche mitzuschreiben habe aber schnell den Faden verloren.) Meine sehr unterstützende Instruktorin Petra zeigt mir auf dem Schirm die Nummern und so kann ich sie richtig wiederholen. Nun stelle ich meine erste eigene Rangierfahrstrasse, bald sind alle Signale und Weichen automatisch richtig gestellt und ein roter Strich bewegt sich über die genannten Geleise. Es bleibt kaum Zeit zum Luft holen, und so schwitze ich Blut in der nächsten Stunde. Danach wird es ein wenig ruhiger, weil der FDL vom Abschnitt nebenan zurück ist und wir haben nur noch halb soviel zu tun.

Dank Petra meistere ich den ersten richtigen Einsatz recht gut, einmal habe ich die falschen Signale aufgetan, aber Rangierleiter Jürgen ruft mich zurück und meldet nett aber bestimmt meinen falschen Klick. Fürs erste gar nicht mal so schlecht, meint Petra. Sie war an diesem Nachmittag Gold wert. Fixfertig aber auch ein wenig zufrieden mache ich mich nach fünf Stunden Vollgas auf den Heimweg. An diesem Abend war ich nach Svea der Nächste, der eingeschlafen ist.

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Fahrtenbuch Teil 2: Looking for Rebekka

Die Ausbildung ist eigentlich zu kurz, also eigentlich reicht die Zeit nicht. Wir wären froh, wenn wir mehr Zeit zum üben hätten. Gerade gestern haben wir im Team darüber gesprochen das es für euch schon recht stressig ist. – Diese Sätze hören wir fast vor jedem Schultag. Und ich muss nach den ersten Wochen sagen, sie haben leider recht, das wird kein Spaziergang. Und das ist nicht das übliche Understatement. Bei meinen bisherigen Weiterbildungen (NDS, CAS an der PH vom Semi reden mal gar nicht) konnte ich easy einen Nachmittag wegdösen und immerhin physische Präsenz zeigen, am Ende reichten auch 75% Verstandenes um zu bestehen. Hier ist es komplett anders, ganz oder gar nicht. Was natürlich auch seine Berechtigung hat, versteht mich nicht falsch. Aber das ist schon ein ziemliches Ungewöhnen. Bei den kleinen Klassen (12 oder in der Halbklasse nur 6) kann ich mich auch nicht in der hintersten Reihe verstecken, die volle Aufmerksamkeit wird verlangt. Wir müssen uns vor allem mit dem Reglement herumschlagen und die Folgen daraus ableiten. Eine Wegbeschreibung in Tokio auf japanisch wäre zuweilen einfacher. Ein Beispiel gefällig?

Alles klar?

Aber ein bisschen Spass muss zwischendurch auch sein. Beat und ich haben uns in der Mittagspause darüber unterhalten, ob wir Rebekka schon entdeckt haben. Wer ist Rebekka?

Live zu finden unter folgendem Link: nach unten scrollen (Quelle sbb.ch)

Bis jetzt war sie unauffindbar und langsam beschleicht uns das Gefühl, dass es nur Fake News waren, um neue Mitarbeiter zu finden. Sollte ich sie jemals antreffen, mache ich sicher ein Selfie mit ihr..

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Fahrtenbuch: Impressionen aus dem Unterricht der ersten zwei Wochen

Hausaufgabe vor Ort: Plan und Realität vergleichen mit Unterstützung von Anouk und Noël
(Wer weiss was das Signal bedeutet?)
4 Bildschirme zum mitschreiben erleichtern die Theorielektion ungemein
Die Sarganser Schlaufe, präferierte Fallgrube aller Simulator-Runden
Es geht nichts über analoges Anschauungsmaterial
Extra für den Blog haben wir die Bestandteile der Weiche besprochen
Der Name unserer Jahrgangsklasse
Mein neuer bester Freund: Quizlet!
Wer bei uns zu spät kommt muss einen Znüni bringen (ausser der Zug ist Schuld wie hier)
Das bin ich mindestens 1x pro Tag

Fahrbereitschaft Teil 3: Der längste Tag

Wenn ich etwas in den vergangenen Jahren nahezu perfektioniert habe, waren das Bewerbungen. An über zehn verschiedenen Orten habe ich seit meiner Patentfeier gearbeitet. Solothurn oder besser gesagt dem Team des Kollegium-Schulhauses muss ich ein besonderes Kränzchen winden, denn bei euch habe ich es fast sieben Jahre ausgehalten, das will was heissen! Aber all good things come to an end sang schon Nelly, und so konnten auch die Avengers (Zitat NH) von der Goldgasse den Zug nicht mehr aufhalten. So schickte ich im April 21 meine Bewerbung ab und das mehrere Monate dauernde Verfahren nahm seinen Lauf. Ein erster Rückschlag war der seltsame Kündigungstermin des Kantons Solothurn auf Ende April, so musste ich das Ganze verschieben. Dank der Flexibilität der Bahn konnte ich mich schlussendlich auf den Februar 22 bewerben, mit späterem Start im Oktober. Nach drei online Bewerbungsgesprächen via Teams, was ehrlich gesagt eine sehr schräge Erfahrung war stand der Eignungstest an, und es sollte wirklich (abgesehen von den Geburten unserer Kinder) der längste Tag werden.

Nach einer sehr kurzen Nacht (mir war regelrecht übel vor Anspannung) machte ich mich auf den Weg nach Bern zum medizinischen Eignungstest. Eine nette Assistentin nahm mich in Empfang und führte verschiedene Tests durch. Beim EKG sagte sie: Der Puls ist ein bisschen hoch, aber könnte es sein das sie ein wenig nervös sind? – Ein bisschen vielleicht erwiderte ich darauf. Wir mussten beide lachen und das trug ziemlich zu Entspannung bei. Der Betriebsarzt ging noch ein wenig mehr ins Detail, vor allem die Sehfähigkeit und die Reflexe wurden getestet. Fürs Medizinische war alles gut und ob ihrs glaubt oder nicht, aber ich habe immer noch ein Herz wie ein junges Reh.

Für den Blutzucker musste ich mich zwingen, etwas zu Mittag zu essen. Dann schlugen die Stunden der Wahrheit im Hauptgebäude beim Wankdorf. Wegen Home-Office war es gespentisch leer, von der netten Empfangsdame wurde ich in den 2. Stock geleitet wo der Testleiter schon auf sein nächstes Opfer wartete. Zuerst musste ich ca. 90 Minuten lang Tests zur Intelligenz, Vorstellungsvermögen, Mathematik und Sprache lösen. Es war zwar anstrengend aber machbar. Dann folgten Gedächtnis- und psychoreaktive Tests, und die hatten es in sich. Beim Gedächtnistest zum Beispiel musste man sich „Pfanne Luki Deutschland 15.99“ merken, davon fünfzehn an der Zahl. Ich hatte 8 Minuten Zeit mir ein System einzuprägen und ganz am Ende der Tests kamen Fragen dazu. Bei Psychoreaktiven Tests schienen die einzelnen Tests einfach, Termine notieren, Signale merken, was passt nicht usw. Bis alle miteinander kombiniert wurden! ich habe gedacht das wars, das hat nicht gereicht. Ich habe in den zwei Stunden Blut und wörtlich Wasser geschwitzt und ging patschnass in die Kaffeepause.

Zum Abschluss folgte noch ein stündiges Gespräch mit einer Psychologin. Zuerst zeigte sie mir die Testresultate, es war alles im Rahmen ausser der letzte erwähnte Test war zwei Punkte über dem Soll, somit musste ich mich nur noch auf das Gespräch konzentrieren. Kennt ihr das wenn euer Hirn komplett auf Reset gestellt hat? So wie meinen ehemaligen Schülern nach den Sommerferien? Endlich konnte ich ihnen ein wenig nachfühlen. Ich habe mir den Mund fusselig geredet und schlussendlich hat es gereicht und ich bin offiziell tauglich und zur Ausbildung als ZVL zugelassen. 10 Kilo leichter (also metaphorisch gemeint) machte ich ein abverheites Selfie (dafür bin ich offensichtlich zu alt) vor der grossen Bahnhofsuhr. Der längste Tag war geschafft, aber das Ziel noch nicht erreicht.

Fahrtenbuch Teil 2: Klassenlager à la SBB

Auftrag: Halte deine Erlebnisse der drei Einführungstage in Form eines Aufsatzes fest. Mach ganze Sätze.

Am Morgen bin ich mit dem Zug nach Bern gefahren, dort habe ich meine KlassenkollegInnen getroffen. Wir sind zusammen nach Muntelier ins Centre Löwenberg gefahren, das ist das Kongress-Zentrum der SBB. Wir konnten unsere kleinen aber feinen Zimmer beziehen, leider hat unser Lehrer vergessen, dass wir das erst ab 12:00 können, so mussten wir die Koffer mitnehmen in das Klassenzimmer. Dieses war in einem schönen alten Haus. Zuerst haben wir nochmals unsere Laptops eingerichtet, das war anstrengend. Dafür gab es nachher Zmittag, Vollpension all inclusiv. Sonst musste ich jeweils sogar das Weihnachtsessen selber bezahlen, das fand ich sehr nett von der SBB. Am Nachmittag haben wir verschiedene Bahnunternehmen kennengelernt, ich durfte die Thurbo vorstellen, ich wusste soager etwas zu sagen. Am meisten hat mir am Abend das Tischtennisspielen und das Werwölflen gefallen, obwohl ich immer gestorben bin. Es war sehr lustig und der Spielleiter Jack hat es mega gut gemacht, wir haben viel Lachen müssen. Die Bar hat einen Rekordumsatz gemacht an diesem Abend, sogar die Lehrer haben eines (oder zwei) mitgetrunken. Das hat mich sehr überrascht, weil wir im Skilager immer den Alkohol verstecken mussten. Zwei Jungs von uns versuchten bei der hübschen blonden Zürcherin der anderen Gruppe zu landen, obwohl man ja eigentlich genau weiss, dass andere Gruppen im Lagerhaus immer unsere Feinde sind. Das fand ich ein wenig schade, das sie unsere Gruppenregeln missachtet haben. Ich kann leider nicht sagen wie es ausgegangen ist, weil dann irgendwann einmal ins Bett ging. ich war nicht der Erste der ging möchte ich hier noch sagen, aber irgendwann machen sich die 44 Jahre halt auch bemerkbar. Es waren drei lustige Tage und ich hatte schon ein wenig ein Lagerfeeling wie früher. Müde zu Hause angekommen lag die Abrechnung von meinem GA auf dem Tisch. Laut der SBB bin ich offiziell gestorben, vielleicht war das Werwölflen doch nicht so eine gute Idee..

Prellbock Teil 3

Dinge aus meinem alten Beruf die ich höchstwahrscheinlich nie mehr machen werde Teil 3: An Teamsitzungen 30 Minuten über die Routen des Räbelichtli – Umzugs unter Berücksichtigung der Strassenlaternen diskutieren / Während einer gähnend langweiligen Schulkommissionssitzung die Olympiaabfahrt mit Schweizer Doppelsieg verpassen / das süsse Klassenpäärli vom Rumknutschen in der grossen Pause abhalten / sich von Eltern an Gesprächen Beleidigungen unter der Gürtelline anhören müssen / einen Abend lang Raclette servieren um das Skilager finanzieren zu können / mit einer Schülerin im Skilager in Villars auf den Notfall rasen und versuchen auf französisch zu erklären was passiert ist / eine Werbeveranstaltung für die überteuerte Privatschule durchführen bei der man arbeitet

Aber auch: Nie mehr beim Klassentausch in Tschechien die Pilsen- Brauerei besuchen gehen

Fahrtenbuch Teil 1: Die Reise beginnt

Da steht sie nun vor mir, die Betriebszentrale-Mitte. Mit mehr als wackligen Beinen mache ich mich auf die letzten Meter, meine Gedanken fahren gerade Achterbahn und für einen kurzen Moment wäre ich sogar wieder umgekehrt. Wie in einem Nebel setze ich mich auf den letzten freien Stuhl beim Empfang (ich bin der Letze, obwohl ich 5 Minuten zu früh bin), dann werden wir von Eline (alle Namen sind anonymisiert) unserer „Klassenlehrerin“ abgeholt. Als Willkommens-Präsent gibt es ein Etui, Schoggi und ein Beutel Nespresso Kafi! Danach kommt die obligate Vorstellungsrunde (Gott sei dank ohne Wollknäuel), meine selbstironischen Bemerkungen über den Thurgauerdialekt ziehen immer, aber ich war mega nervös, und (light shock) ich bin der Älteste! Peter (der mit mir im Sektor ist) hat noch Jahrgang 79 aber alle andern sind nicht älter als 30, und wir sind die einzigen mit Kindern. Das hat mich dann doch dezent überrascht. Einer könnte mein Sohn sein.. Insgesamt sind wir 12 und eine sehr bunt gemischte Truppe, drei davon sind Frauen. Es hat Globetrotter, eine Kita Gruppenchefin, einen ewigen Studenten, eine Flight-Attendant und eine Kunststudentin, um mal die exotischsten zu nennen. Aber insgesamt war eigentlich eine recht gute Stimmung, sogar einen Gamer habe ich gefunden.

Inhaltlich war viel Organisatorisches, PC`s einrichten und Stundenpläne. Wir machten auch noch einen Rundgang durch das Haus, was für ein Irrgarten. Sicher immer das Handy dabei haben, falls ich mal verloren gehe. Auf jedem Stock hat es mindestens vier Kaffeemaschinen, was ich sehr aufmerksam finde für einen Koffein-Junkie wie mich. Beim Mittagessen haben wir uns noch informeller ein wenig besser kennengelernt, aber alles war für mich immer noch sehr surreal. Es kommt mir wie eine Ferienweiterbildung vor, und nächste Woche gehe ich wieder ins Schulzimmer.. Ich habe es noch nicht wirklich realisiert. Auf jeden Fall ganz herzlichen Dank für all die lieben Nachrichten und fürs Drankdenken, das hat mich sehr gefreut.

Ein besonderes Merci an meine Family, die seit bald einem Jahr mein „Plangen“ aushält und einen outstanding support abliefert (bis zum Tartiflette heute zum Znacht)!