Bitte warten… nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Doch vom bestandenen Eignungstest bis zum finalen Entscheid sollten nochmals drei Monate vergehen. Als letzte Hürde stand der Schnuppertag in der BZ Olten an. „Was soll jetzt noch gross schiefgehen?“ wurde ich oft gefragt. Alles! Meine Erfahrung aus dutzenden Bewerbungsprozessen hat mich Eines gelehrt, es ist erst entschieden wenn die Tinte auf dem Vertrag trocken ist. Obwohl Personalentscheide eines der heikelsten Themen jedes Unternehmes oder jeder Schule sind, wird ihnen oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Zum Satzbehälter der Kaffeemaschine wird zuweilen mehr Sorge getragen als zu Bewerbungen. So konnte der Schnuppertag nicht schnell genug kommen. Eine Woche vor dem Termin erhielt ich einen Anruf, ob es mir möglich wäre meinen Termin zwecks dringender Kandidaten zu verschieben. Da ich ja erst im Oktober beginnen würde, war das ein durchaus legitimes Anliegen. Als Meister des Zen Buddhismus und geübt in Geduld stimmte ich natürlich sofort zu. Selbstverständlich macht es mir nichts aus, noch einen Monat länger zu warten. Nein kein Problem. Ja gerne geschehen. Obwohl ich vielleicht ein wenig Goodwill gewonnen hatte (ich redete es mir zumindest ein) fluchte ich wie ein Rohrspatz als ich aufgehängt hatte. Bitte warten.
Dann war es endlich soweit, am 10.2.22 stand mein Schnuppertag an, den ich glücklicherweise trotz Corona Restriktionen absolvieren konnte. Dezent nervös wartete ich am Empfang und wurde von Yara pünktlich abgeholt. Ich muss gestehen, dass ich vom ersten Teil der Führung durch die BZ nicht allzu viel mitbekommen habe. Ob es an den vielen neuen Eindrücken oder an Yara lag, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei eruieren. Als wir durch den Kommandoraum eine Runde drehten, dämmerte es mir langsam, dass ich in einem Jahr vielleicht genau hier sitzen werde. Ich versuchte angestrengt, meine Vorfreude im Zaum zu halten und stellte viele schlaue Fragen. Im 2. Teil erhielt ich von ZVLA Simon eine Einführung ins Iltis System im Simulator und auch er wurde mit schlauen Fragen gelöchert. Zum Abschluss folgte nochmals ein Gespräch mit einem möglichen zukünfitgen Teamleiter und ich hatte den Eindruck, dass wir uns recht gut verstanden haben. Er spiegelte mir diesen Eindruck auch zurück und vertröstete mich auf nächste Woche, dann sollte ich den definitiven Entscheid erhalten. Bitte warten.
Am Hangover- Montag nach dem Superbowl rief mich Eline an: „Wir würden dich sehr gerne als ZVLA bei uns anstellen, bist du dabei?“ – „Ja klar!“ brachte ich gerade noch so heraus. Wir besprachen noch ein paar Formalitäten und nach zwei Minuten und zwei Sekunden waren die Weichen für meinen neuen beruflichen Weg gestellt. Natürlich freute ich mich riesig aber gleichzeitig fühlte ich auch eine grosse Leere nach dieser ganzen Anspannung. Das war eine sehr spezielle Erfahrung. Dieser Entscheid wurde mit meiner Familie natürlich gebührend gefeiert. Hatten speziell sie auch einen grossen Anteil daran, dass es überhaupt möglich wurde. Während eines feinen Znachts auswärts versuchte ich die kommenden Veränderungen für unser Familienleben zu skizzieren, die in der Euphorie aber untergingen. Ich habe es versucht. Nach einer Woche kam der Vertrag und als die Tinte trocken war, hiess es wieder einmal: Bitte warten.
War schon lustig wie du beim Essen gefühlte 100 mal versucht hast mit „aber iz nomau würklech, das wird ä usäforderif für aui….“ (oder zumindest sowas in die richtung, hab nich so aufgepasst) ein seriösen Ton anzuschlagen.
Und wir alle nur so jaja, mampf mampf, das wird super…
Bärenspiess schlägt Verstand 1:0
Bärenspiess beste 🙌
…“dezent nervös“ gefällt mir…werde in Zukunft diese Haltung üben…“Bitte warten“ kenne ich schon…habe aber das „Üben“ aufgegeben…
Ja das bin auch immer wieder am lernen