Diese Frage folgt meist auf die Frage aus Teil 4. So grob habe ich es den meisten schon einmal erklärt, aber was es denn nun genau heisst und warum es schwieriger ist als es auf den ersten Blick vielleicht aussieht erläutere ich am besten einmal an einem Beispiel. Ich hoffe es ist verständlich. Dieses hatte ich gerade heute im Simulator (ich habe es übrigens erst im 3. Anlauf fehlerfrei gemeistert). Wir haben hier den Bahnhof Nieder-Oberurnen (NOU) im Glarnerland. Er hat verschiedene Schwierigkeiten auf seinen wenigen Geleisen vereint, aber das Nervigste an NOU ist, das er keine Zwersignale hat. Diese erleichtern das rangieren ungemein, weil mit ihnen können einfache Rangierwege an den Hauptsignalen vorbei gezogen werden und sie stellen automatisch die Weichen richtig ein.

Nicht so in NOU, hier wird eine einfache Aufgabe die zum Beispiel in Solothurn mit ein paar Klicks erledigt ist zu einer wahren Herausforderung. Die Aufgabe ist folgende:
In Gleis 2 steht eine Rangierlok mit 3 Wagen. Nun will die Lok die Wagen in Richtung Ziegelbrücke ZB einmal umfahren um anschliessend in Richtung Näfels NAEF wieder an die Wagen dranzufahren

1. Ich muss den automatischen Betrieb (AB) ausschalten, da es sich um ein Relais-Stellwerk aus dem Jahr 1969 (ja tatsächlich 1969!) handelt. So kann mir keine normale Zugfahrstrasse zum Beispiel von der S-Bahn automatisch in meinen Bahnhof in Gleis 3 stellen. Das würde alle Weichen wieder umstellen und könnte im dümmsten Moment zu einer Entgleisung führen.
2. Die zweite Hürde ist der Funk, normalerweise quittiere ich jeden Funkspruch als Kontrolle, das gilt als Zustimmung und ich stelle den Rangierweg ein. Nicht in NOU, hier ist das verboten! Der Rangierchef verlangt: In NOU möchte ich von Gleis 2 Richtung ZB einmal umfahren. Ich muss sagen: Verstanden, warten. Wenn ich den Wunsch des Rangierleiters einfach quittiert hätte: durchgefallen.
3. Ich muss ich alles von Hand einstellen, die Weichen, den Bahnübergang (sehr wichtig, geht oft vergessen!) Dann funke ich wieder zurück: In NOU vom Gleis 2 ins 23 ist eingestellt. Ihr habt vielleicht bemerkt, das er erst einen Teil seiner verlangten Strecke fahren kann. Was bei einem anderen Bahnhof mit Speicher geht, kann ich hier nicht machen, sondern das Ganze wiederholt sich noch zwei mal (Bahnübergang!) bis es geschafft ist. Endlich ist die Lok am richtigen Ende. Aber die Aufgabe noch nicht.
4. Den automatischen Betrieb kann ich erst wieder einschalten, wenn der Rangierzug aus NOU verschwunden ist. Bis dahin muss ich alle S-Bahnen die auf Gleis 3 verkehren von Hand durchstellen, ja nicht vergessen (ich habe noch fünf andere Bahnhöfe zum überwachen) sonst gibt es Verspätungen. Dabei muss ich unbedingt beachten, das der Rangierzug Stillstand hat (was ich per Funk nachfragen muss), sonst könnte er die S-Bahnen gefährden, da er keine Zwergsignale hat. Die grösste Falle (in die ich 2x getappt bin) lauert also am Schluss.
Sollte ich die Prüfung bestehen werde ich NOU einmal einen Besuch abstatten und ihm den Finger zeigen, oder zwei.
Ein relais Stellwerk aus 1969? In Japan oder Deutschland nennt man das auch „High tech“
You name it!
Hoffentlich ist NOU eine Ausnahme und wird demnächst auf den Ballenberg geZÜGelt!
Hehe, leider nein. In der Schweiz sind noch über hundert Stellwerke dieses Typs in Betrieb. Häufig anzutreffen im Emmental, Seetal, Entlebuech und v.a. kleineren Bahnbetrieben.
Wer will schon nach Glarus? 😜
Bitte noch das Textniveau anpassen, damit ich deinen Text auch verstehe 🤔
Wie sieht’s eigentlich bei der Seelinie aus? Steckborn hatte damals so ein Uralt-Stellwerk, an das ich mich erinnere …
Die Seelinie war damals als die MThB sie übernahm hoffnungslos veraltet, in Steckborn (und anderswo) hatte es noch ein elektromechanisches Stellwerk (habe im Archiv nachgeschaut). Das war 1922 der Shit aber es wurde nachher abgelöst vom selben Typ, der nun auch in NOU steht. Da die Kosten für eine Stellwerkerneuerung schnell in die Millionen gehen, hat man wohl gedacht für die 2 Gleise reicht ebenfalls ein Domino 69. Mittlerweile kann man es fernbedienen, in dem Fall aus der BZ Ost am Zürich Flughafen aber es ist immer noch da. Es gibt auch noch grosse Bahnhöfe, die heute noch ein Relaisstellwerk von 1967 haben, das glaubst du nun vielleicht nicht aber z.B. Olten wird noch von so einem Typ bedient. Der Umbau auf ein elektronisches würde im Fall Olten ca. 150 Millionen kosten..