Fahrtenbuch 23: Im Auge des Sturms

Ich hoffe ihr wart am 25.6. nicht in der Region Mitte mit dem Zug unterwegs..

Verspätungen und Ausfälle: Chaos am Bahnhof Olten – Mann auf Fahrleitungsmast – 20 Minuten

Ein ausserordentliches Ereignis zur Hauptverkehrszeit, und so ziemlich am dümmsten Ort für eine Klettertour an einem Fahrleitungsmasten. Die Beweggründe, die den Mann zu dieser Tat bewogen haben, werden wohl im Dunkeln bleiben. Aber warum löste diese Aktion so ein Chaos aus und warum kriegt man es nicht schneller in den Griff? Darauf versuche ich euch eine Antwort zu geben.

Erklärung 1: Der Zeitpunkt

Ob bewusst oder nicht, die Aktion startete gerade vor der „Welle“, zu dem Zeitpunkt fahren von/nach Olten die Schnellzüge in alle Himmelsrichtungen, zum Teil besetzt mit hunderten von Passagieren. Nach dem Meldungseingang wurde der Alarm Personen in Gleisnähe ausgerufen. Da zuerst der Sachverhalt nicht klar war, die Person könnte sich ja auch weiterbewegen, wurden alle Züge im Bahnhof gestoppt.

Erklärung 2: Die Fahrleitung

Der Bahnstrom wird mit 15kv und 16.7 Hertz betrieben, diese gelben Schilder hängen nicht umsonst als Warnung entlang der Bahngleise. Die Leitung muss nicht einmal berührt werden, es genügt auch ein Lichtbogen und das wars dann. Wäre die Person einfach nahe am Gleis gewesen, hätte das für ein paar Züge Fahrt auf Sicht im Bahnhof Olten bedeutet und pro Zug ca. 10 min Verspätung generiert. Somit musste aber der ganze Bahnhof Olten stromlos geschaltet werden und das Chaos nahm seinen Lauf.

Erklärung 3: Der Ripple-Effekt

Innert Kürze stauten sich nicht nur in Olten die Züge, sondern auch an den umliegenden Knoten wie Bern, Basel, Aarau bis Zürich. Aufgrund des Taktfahrplans sind genau zur selben Zeit an allen Knotenbahnhöfen die Gleise voll Ich habe an diesem Tag die Kundeninfo im Sektor Gurten (dazu später mehr) betreut und ich war permanent mit dem ADBV von Bern am Telefon, um Züge neu anzuschreiben, in andere Gleise zu verschieben, Wendungen zu überprüfen usw. Wann immer möglich wird versucht, die Züge an einem Perron warten zu lassen. So bricht der halbe schweizweite Fahrplan innert 30 Minuten zusammen.

Erklärung 4: Mangelnde Alternativen

Einzelne Linien wie Bern-Biel waren von dem Ereignis nicht betroffen, aber zum Beispiel vom Wallis/Interlaken nach Zürich gibt es keine direkte Alternative. Grosse Umleitungen via Brünig oder Luzern wären die einzige Ausweichroute. Bei fast allen anderen kommt man früher oder später wieder in Olten vorbei.

Erklärung 5: Dauer des Ereignisses

Es dauerte lange, bis die Einsatzkräfte einen Plan hatten, wie die Person von dem Mast runtergeholt werden soll. Viele meiner Kollegen hatten diverse Vorschläge eingebracht, aber wir sind ja immer noch im Kanton Solothurn und nicht in South Los Angeles. Als der Spuck nach fast einer Stunde vorbei war, musste zuerst der Strom wieder eingeschaltet werden (da konnte nicht einfach ein Schalter umgelegt werden) und nachher begann das grosse Aufräumen. Der ADBV Bern erzählte mir tags darauf, das er bis Dienstschluss noch Anrufe von der BLS und SBB bekam, die sich nach dem Verbleib ihrer Züge erkundigten oder Personal suchten.

Jeder der bei den heissen Temperaturen gestern gestrandet war und sich dabei geärgert hat, kann ich sehr gut verstehen. Die ganze BZ Mitte hat ihr möglichstes getan, um diese Störung zu beheben aber ja, für die Kunden ist es trotzdem nervig. Wir alle hoffen, das dieses Beispiel nun nicht Schule macht und hoffentlich ein Einzelfall bleibt. Dafür haben viele (ich eingeschlossen) eine epische Geschichte mehr zu erzählen.

Schnipsel: What’s in your bag? Was ist in deiner Tasche?

Svea hat im Zeichnen den Auftrag bekommen, ein Stilleben zu malen. Was zuerst einmal langweilig klingt, hat Svea in eine coole Aufgabe verwandelt. Sie malte ein Stilleben zum Thema: What’s in your bag? Das hat mich auf die Idee gebracht, es ihr gleich zu tun. Hier ein Einblick in meinen Reise/Pendlerrucksack, essenziell für jeden Trip, egal ob an die Arbeit oder nach Cardiff zum Rugby.

Und hier noch ein paar Erklärungen zum Inhalt:

1: Hier is real – Sticker, weil aus Gründen

2: Das Wichtigste, meine Marshall Major IV Kopfhörer. Hilft gegen laute Telefonate oder sinnlosem bla bla. Sollte der Akku leer sein habe ich noch Ersatzstöpsel dabei. Dazu kommen noch Notfall-Kopfhörer, zum Verteilen bei besonders nervigen Reisenden.

3: Kaffee-Vorrat für drei Arbeitstage

4: Mini-Reiseapotheke

5: Zahnputzset, auch am Telefon brauchts guten Mundgeruch

6: Extra langes fast charging Ladekabel, erfreut dich und dein Umfeld

7: Meine Arbeitsbrille, ohne die fahren die Züge in Olten ins falsche Gleis

8: Ich rauche zwar nicht mehr, aber du weisst nie, wer dich um Feuer fragt. Ebenfalls praktisch für spontane Lagerfeuer beim Spazieren.

9: Der Schlüssel zu unserem Aussenposten in Olten, leider nur noch bis Juni.

Und was ist in deiner Tasche? Wenn du magst, schick doch ein Foto für den Blog!

Schnipsel: EM 2024 in Frankfurt

Ein bisschen spät um über die EM zu berichten oder? Leserinnen und Leser die mich ein bisschen näher kennen, sind wohl ab diesem Titel noch mehr verwundert, wissen sie doch, dass mein (Ball-) Gott oval ist und nicht rund. Hier möchte ich von einer EM erzählen, von der ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt, die TRAM EM. Die was?? Aber von vorne.

Während einer Glacéfahrt nach Bellinzona, schickte mir Noël zwecks Zeitvertreib ein Video über die TRAM EM in Stuttgart. Sache gits, dachte ich als ich das Video sah. Das wäre live sicher noch spassig, sagte ich, begeistert von der kuriosen Idee. Ah die nächste EM ist in Frankfurt. Und wie so oft in unserer Familie fallen solche schrägen Ideen auf fruchtbaren Boden. So machten sich Noël und ich am 4. Oktober auf nach Frankfurt, wo wir von Anouk und Fredi empfangen wurden, die schon am Morgen das Gelände für uns erkundet haben. Da sind sicher nur ein paar Nerds, die sich sowas ansehen dachte ich. Weit gefehlt, der Willy Brandt Platz war vollgepackt mit Zuschauern. Über 3000 sollen es gewesen sein. Die Stimmung war wie auf einem Volksfest und alles top organisiert, inkl. einem grossen Spielpark für die Kleinsten. Die Disziplinen (hier ein ausführliches Video) waren ein Mix aus Geschicklichkeit und Präzision, dazu mussten sich die Teilnehmer noch verschiedene Signal-Symbole in der richtigen Reihenfolge merken und sie am Ende des Parcours auf eine Wand kleben. Das war besonders lustig anzuschauen, manche wie z.B. die Iren haben einfach geraten und andere haben alles innert kürzester Zeit korrekt zugewiesen.

Vor allem in der Finalrunde kam richtig Stimmung auf und die Zuschauer fieberten richtig mit bei diesem zugegeben etwas kuriosem Wettbewerb. Und es wurde zum Schluss denkbar knapp, um nur 50 Punkte gewann das Team aus Budapest. Die Schweiz mit Zürich war leider unter ferner liefen. Hier besteht klar noch Potential, ich hoffe das bis zur nächsten EM in Wien hier fleissig geübt wird. Schön fand ich vor allem, dass an diesem Tag die TramfahrerInnen für einmal im Mittelpunkt standen und viel Applaus bekamen, bestenfalls ärgert man sich sonst über sie, wenn sie wieder mal zu spät sind. Ein Dankeschön nach eurer nächsten Tramfahrt wäre sicher nicht verkehrt. Sie haben in Frankfurt gezeigt, was sie alles drauf haben.

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Schnipsel: Marketing, Gastbeitrag von Svea

Wir mussten in der Schule einen kleinen Artikel schreiben zu einem Thema. Ich wählte das Thema Mittel der Werbung , weil mich Marketing interessiert. Ich habe auch gemerkt, dass ich gerne schreibe und ich noch mehr zu dem Thema schreiben will. Also hier mal etwas anderes, als was es sonst hier gibt, ein Abstecher zum Thema Marketing. Viel Spass beim Lesen und mir viel Glück beim Schreiben ( :

LG Svea

Schnell lebende Welt

Wir leben in einer schnell lebenden Welt (wegen tiktok Kurzviedeos etc.). Ein Beispiel dafür ist, gibt es ein Kleid was mega der hype auf Tiktok ist, hat das jeder in Kürze. Nur eine Woche später ist es wieder out. Es gab dan viele Video,s wo Leute sagten wie hässlich es doch war, als wäre es ein Jahr her und wie peinlich es ist wenn man zu spät für den Trend war. Darum ist das Marketing heute anders als vor 10 Jahren. Heute ist Social Media der Ort um Werbung zu machen. Gerade Jugendliche erreicht man so am besten.

Influencer/in

Gerade Jugendliche (also mich hehe) erreicht man am besten mit Stars oder Influencer. Das heisst eine Marke fragt Influencer x an für eine kurze Werbung für ein Produkt und man erhält dazu noch einen Rabatt-Code. Ihr denkt jetzt vielleicht ja aber das checkt man doch (aus eigener Erfahrung). Die Methode der Werbung ist die eine der besten oder sogar die beste. Es muss zwar irgendwo stehen, dass es Werbung ist aber man vertraut seinen Lieblings Influencer/in das sie das Produkt gut getestet haben. Viele Influencer/in aber auch Stars haben ihre eigene Marke oder Merch. Die sind meist (nicht immer) aber eher schlecht. Zum Beispiel hat Kavla Shyx (Influencerin) eine Marke in Zusammenarbeit mit Aboutyou (Fast Fashion Marke) die eine sehr schlechte Qualität hat und dafür eigentlich zu teuer ist. Auch weil Kayla andere Werte vertritt, als Fast Fashion (wenn euch das Thema zu dieser Marke interessiert, Sashka hat ein gutes Video dazu gemacht).

Green-washing

Leider sehr wichtig, wenn es um Marketing geht. Was ist das? höre ich die letzte Reihe rufen. Hier eine kleine Erklärung: Greenwashing ist, wenn eine Firma sagt wir sind nachhaltig aber eigentlich sind sie es nicht. Firmen müssen sich gut vermarken können und weil der Klimawandel ein wichtiges Thema ist. Weil aber die meisten Firmen mehr Geld verdienen wen sie nur so tun als würden sie nachhaltig sein oder ihre Leute fair bezahlen faken sie es eben (so asis).

Wahlen Amerika

Jetzt fragt man sich hä was macht dieses Thema hier? Na ja, Marketing mus nicht immer ein Produkt sein, sonder kann auch eine politische Person sein. Donald Trump wurde ja angeschosen und hat gerade danach gesagt «figth». Das ist ein bisschen wie ein Slogan oder ein Reizwort. Gerade in so einer Situation hat er die volle Aufmerksamkeit. Ich glaube, dass das am Ende bei den Wahlen wichtig sein wird. Es ist doch mit ein sehr intressanter Moment, ein Mensch der gerde angeschossen wurde denkt nur ans Marketing. Ich glaube aber das am Ende Kamala Harris das beste Marketing hat. Sie hat einen Star, der sie unterstütz und das ist Taylor Swift. Das könnte ein grosser Vorteil sein.

Fazit:

Marketing ist wohl die Branche, die sich am meisten den Zeiten anpassen muss. Und wohl eine der Branchen, die am meisten nicht die Wahrheit sagt. Klar wir alle sind Konsumopfer aber es muss nicht immer negativ sein. Ich habe air up durch eine Werbung entdeckt und meine Flasche ist diesen Sommer 3 Jahre alt geworden. Seit ich sie habe, trinke ich genug Wasser. Es lohnt sich aber bei jedem Kauf zu überlegen, ob es gut für die Umwelt ist.

Ich hoffe es hat euch gefallen, meinen Text zu lesen. Ratet gerne welche Note ich bekommen habe und schreibt es in die Kommentare.

Puffer Teil 8: SIFA! SIFA! SIFA ZWANGSBREMSUNG!

In vorherigen Beiträgen berichtete ich über die Zugsicherung und Zwergsignale, mit diesem Beitrag wird diese Mini-Serie über Sicherheitseinrichtungen im Bahnbetrieb fortgesetzt.

Im Beitrag über die Zugbeeinflussung erläuterte ich mit welchen Systemen Fehler vom Lokpersonal erkannt und korrigiert werden können. Aber was passiert, wenn der Lokführer nichts macht? Also, gar nichts mehr?

Nach einer langen Nachtschicht mit unangenehmen Schichtübergang kann es durchaus vorkommen, das die Konzentration vom Lokpersonal abnimmt. Reagiert ein Lokführer z.B. auf ein Signal nicht, greift grundsätzlich die Zugbeeinflussung ein und bringt dem Zug zum halten.

Dieses System „überprüft“ aber die Handlungsfähigkeit eines Lokführers nur, wenn ein Signal passiert wird. Auf offener Strecke zwischen Signalen ist sie machtlos. Und da die Zugbeeinflussung im Rangierbetrieb komplett ausgeschaltet ist, bringt sie dort selbstverständlich auch nicht viel.

Falls also der Lokführer plötzlich Handlungsunfähig wird, z.B. eingeschlafen ist, wird Sicherheitsfahrschaltung aktiv, kurz Sifa genannt. Dieses System überprüft einerseits die Präsenz des Lokführers, und in regelmässigen Abständen dessen Aufmerksamkeit. Die genaue Funktionsweise unterscheidet sich von Land zu Land, aber das Grundprinzip ist dasselbe. Spezifisch in diesem Beitrag werden wir die Schweizer Ausführung behandeln.

Präsenzkontrolle
Sobald sich ein Triebfahrzeug in Bewegung setzt, muss im Führerstand ein Fusspedal durchgehend betätigt werden. Wird das Pedal während der Fahrt losgelassen, leuchtet als erstes eine Warnlampe auf. Ist drei Sekunden später das Pedal immer noch nicht gedrückt, ertönt ein akustisches Signal. Falls dieses Signal auch ignoriert wird, wird vom Fahrzeug eine Zwangsbremsung ausgelöst und der Zug kommt zum stehen.
Mit diesem Mechanismus kann also versichert werden das ein Lokführer Im Führerstand präsent ist.
Aber was passiert, wenn der Lokführer im Sitz eingeschlafen ist und sein Fuss trotzdem noch auf dem Pedal hat?

SiFa Warnlampe, Alstom H3 der SBB Cargo (Eigenes Foto)

Wachsamkeitskontrolle

In regelmässigen Abständen (30-60 Sekunden, je nach Fahrzeug) muss vom Lokführer seine Handlungsfähigkeit bestätigt werden. Dies geschieht automatisch, wenn irgendwelche Bedienelemente (Fahrthebel, Bremse, etc) betätigt werden. Wurde aber 30-60 Sekunden lang keine Bedienung ausgeführt, wird der Lokführer erneut mit einer Warnlampe und einem akustischem Signal aufgefordert, seine Handlungsfähigkeit zu bestätigen. Meistens kann dafür das Fusspedal kurz losgelassen und wieder gedrückt werden, oder manche Fahrzeuge sind auch mit Sifatasten am Fahrthebel ausgerüstet.

Nach der Bestätigung wird das SiFa zurückgesetzt, und die 30-60 Sekunden laufen wieder von vorne. Je nach Fahrzeug ist auch die zurückgelegte Distanz des Fahrzeuges ausschlaggebend für das SiFa. Das heisst, z.B. alle 1000 Meter muss die Handlungsfähigkeit bestätigt werden.

Plutowiki, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

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Paris spécial: Le dernier billet, deuxième partie

Puh, ich habe die Heimfahrt überlebt, aber leider meine Schwester, die erst kürzlich ihren Dienst für Anouk angetreten hatte, nicht. Am nächsten Morgen wurde sie beim Ticketschalter erneut umgetauscht, wenigstens konnten wir zusammen auf der Kommode im Hotel eine Nacht in Paris verbringen. Ich werde sie nie vergessen. Die nette Dame am Schalter erklärte, dass man die Tickets von Handys und Bankkarten fernhalten soll. Seltsamerweise haben drei meiner Brüder auf der Rückseite von Handys überlebt, wie konnte das sein?

Plötzlich hatte Anouk eine Eingebung, die Samsung Handys haben meine Geschwister auf dem Gewissen, die Pixel Handys scheinen keinen Einfluss zu haben. Umgehend wurden wir an einen sicheren Ort im Rucksack verstaut, und so verlief der Rest des Tages ereignislos, bis wir die Heimreise antreten wollten. Wieder streikten zwei von uns, was war denn jetzt wieder? Erneut musste ich mich von ihnen verabschieden, lange halte ich das nicht mehr aus. Auf der Heimfahrt wurde erneut gerätselt, was die Ursache für die erneuten Verluste war. Bis Noël bemerkte, das bei der Sicherheitskontrolle zum Beachvolley nicht alle ihre Taschen abgeben mussten, und somit mit Rucksack oder Tasche gescannt wurden. Höchstwahrscheinlich haben die Metalldedektoren meine Geschwister ermordert. Wieviele Billete mussten an diesen Kontrollen wohl schon ihr Leben lassen? Warum unternimmt niemand etwas dagegen? Dann kam mir wieder in den Sinn, dass wir ja offiziell als illegal eingestuft wurden, also interessierte unser Schicksal kaum jemand. Derweil konnte sich Sveas Olympia Pass bester Gesundheit erfreuen, das Leben ist einfach ungerecht.

Wenigstens stand am nächsten Tag Sightseeing auf dem Programm. Ich freute mich schon auf die klimatisierte Orangerie und Monets Seerosen. Anscheinend schien auch die Familie dazu gelernt zu haben, sicher im Rucksack verstaut konnten wir den Metalldedektoren ausweichen. Im Museum bemerkte ich, dass nochmals ein gründlicher Check anstand. Alle mussten ihre Taschen und Rucksäcke abgeben, die anschliessend von tödlichen Röntgenstrahlen beschossen wurden. Verzweifelt versuchte ich, meine Geschwister zu warnen, doch es war schon zu spät. Ausser mein Bruder und ich hat niemand überlebt. Abermals wurden sie umgetauscht, immer die nächste Bedrohung vor Augen.

à suivre..

Paris spécial: Le dernier billet, prèmiere partie

Darf ich mich vorstellen? Ich bin das Papierbillet 68547407-01 der Verkehrsbetriebe von Paris. Ich bin der letzte noch lebende Nachfahre einer ehemals grossen Billetfamilie. Innerhalb einer Woche habe ich viele meiner Brüder und Schwestern an der Schranke verloren. Ich weiss das unweigerlich das Ende unserer Art näher rückt (Das Ende der Papiertickets), aber noch nie habe ich es so unmittelbar miterleben müssen wie in der letzen Woche. Aber der Reihe nach.

Versendet wurde ich und meine vier Geschwister an eine gewissen Familie Wendel im Mai dieses Jahres. Anscheinend hatten sie vor, wie ich den Diskussionen entnehmen konnte, die Olympischen Spiele in Paris zu besuchen. Sie scheinen gut organisiert zu sein, haben sie mich doch über eine Plattform im Internet zum Voraus gekauf, damit sie am Ankunftstag nicht Schlange stehen müssen. Ich freute mich schon auf meine Einsätze, bis kurz vor Ferienbeginn plötzlich Hektik aufkam. Der Vater hatte einen Bericht gelesen, das ich und meine Familie während den Spielen als illegal eingestuft werden. Die Website der Verkehrsbetriebe bestätigte seinen Verdacht. Mais sacré bleu! Die wollen doch nur die teureren Olympia Pässe mit Chipkarten verkaufen, und unsereins stellt man einfach aufs Abstellgleis! Die Familie hat dann entschieden, es einfach mit uns zu probieren, schliesslich könnten sie mit uns viel Geld sparen.

So kam der Moment der Wahrheit, beim ersten Drehkreuz am Gare du Nord, und siehe da, selbstverständlich funktionierten wir einwandfrei, zufriedene Gesichter und high fives. Aber die Freude währte nicht lange, beim Ausgang in St. Denis versagten die Dienste von Anouks und Sveas Billeten. Wahrscheinlich die Hitze, sagte ich mir. Eine nette Helferin liess sie ohne Probleme durch. Leider wiederholte sich dieses Drama bei der Rückfahrt, und so wurden meine unfähigen zwei Geschwister beim Schalter kurzerhand umgetauscht und entsorgt. Aber die Freude über die Neuankömmlinge währte nur kurz, Sveas neues Billet streikte erneut, worauf sich der Vater entschied, es erneut umzutauschen. Leider war diesmal die Schalterbeamtin besser informiert, und nach langem Diskutieren wurde mein neuer Freund durch einen Olympiapass ersetzt. Ich werde die gemeinse Fahrt auf der RER bleu nie vergessen. Plötzlich lief es mir kalt den Rücken hinunter. Werde ich das nächste Opfer sein? Kann ich solange durchhalten? Ist das meine letzte Fahrt?

à suivre…

Schnipsel: Teamsitzung Variante Lehrerzimmer

Willst du nicht wieder zurück? Warum verzichtest du auf so viele Ferien? Sie suchen doch überall Lehrer? Diese Fragen werden mir zwischendurch von meinen Kollegen*Innen gestellt. Ich weiss nie so genau, wie diese Fragen gemeint sind. Ist es eine passiv aggressive Kritik an meiner Arbeit oder eine echte Sorge um die Zukunft unseres Bildungssystems? Wie dem auch sei, meine Antwort lautet (bis jetzt) immer nein. Ich sei schon längst nicht mehr Lehrerzimmerkompatibel, meint meine Frau. Dem kann ich ihr nur zustimmen. Am Beispiel einer Teamsitzung kann ich das perfekt illustrieren. Der erste Ausschnitt (aus Platzgründen stark gekürzt) ist aus dem Lehrerzimmer Hermrigen-Merzligen (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen könnten unter Umständen zutreffen). Das Traktandum 2 ist die Planung des Schulabschlussfestes vor den Sommerferien.

Gisela (Schulleitung): Also in einem Monat steht der Schulschluss an, wir haben noch viel zu planen und zu organisieren, und es braucht alle, damit der Abend ein Erfolg wird.

Rüdiger: Warum mache mer ned s’Gleiche wiä letschts Johr?

Gisela: Das ist eben schwierig.

Ich: Könnte mer wenigschtens d’Ressorts verteile?

Hanspeter: Ned so tief Rüdiger, ned so tief. Also wir sind erst bei der Begrüssung. Das kommt nachher.

Gisela: Danke Hanspeter für den wertvollen Hinweis. Als Einstieg machen wir eine kurze Befindlichkeitsrunde (spannt einen Wollknäuel nach links).

Elsbeth: Also ich finde es eine Sauerei, das die Names-Klämmerli für die Finken nicht aus 100% abbaubarem Material gefertigt sind, immer dieses Chemiezeugs. Früher haben wir die Klämmerli noch selber gemacht, aber das lernt man ja heute nicht mehr.

Gisela: Ich spüre da viele negative Schwingungen und es scheint ein wichtiges Anliegen zu sein. Was ist deine Meinung zu den Klämmerli Hanspeter?

Hanspeter: Es ist daneben, das wir jetzt wieder um so Details kümmern müssen. Wir haben jetzt wirklich Wichtigeres zu tun. Wann unternimmt der Lehrerverband endlich etwas gegen die kapitalistischen Werbungen vor den Youtubevideos? Die Amerikanisierung unserer Schüler*innen muss gestoppt werden! (tippt auf seinem I-Phone).

Elsbeth: Immer du Hansjürg mit deinem patriarchalischen Ansprüchen. Mich verletzt es, dass meine Argumente hier nicht ernst genommen werden (wirft den Wollknäuel in Richtung Hansjürg, verfehlt ihn, trifft jedoch seinen Kaffee der sich über sein I-Pad ergiesst)

Hanspeter: Unsere Elsbeth, genau wie dein Hauswirtschaftsfach zu nichts zu gebrauchen.(Elsbeth verlässt weinend das Lehrerzimmer)

Gisela: Das war jetzt vielleicht ein wenig respektlos Hanspeter, wie du über das Hauswirtschaftsfach hergezogen bist. Aber das soll keine Kritik sein, nimm es als Anregung mit auf deinen Weg. Wie geht es dir Arjeta? (wirft ihr einen imaginären Wollknäuel zu)

Arjeta: (trägt Kopfhörer, schaut sich gebannt Tik-Tok Videos auf ihrem Handy an, würdigt Gisela keines Blickes)

Gisela: Gut, ich werte das mal als eine positive Rückmeldung.

[…] 30 min später

Gisela: Gut, kommen wir nun zum Traktandum 2, Schulabschlussfest. Anne-Marie, wie sieht es mit der Verpflegung aus?

Anne-Marie: (erwacht aus dem Tiefschlaf) Was?

Gisela: Die Verpflegung, Anne-Marie.

Anne-Marie: Ah ja Entschuldigung. Gerade heute ist mir aufgefallen, das beim Brezelkönig die normalen Brezel jetzt 2.30 kosten, das sind 10% mehr, obwohl die aktuelle Inflation in der Schweiz nur 2,3% beträgt. Das finde ich schon noch eine grosse Herausforderung, gerade für bildungsferne und einkommensschwache Familien.

Gisela: Wir wollten eigentlich den Schulabschluss planen, aber danke vielmals für diesen wertvollen Input. Das ist auch eines meiner Ziele als Schulleiterin, den Horizont unseres Lehrerteams laufend zu erweitern.

[…] 2h später (Rüdiger hat unterdessen seine Kündigung verfasst, ist zur Post gelaufen, hat sie eingeschrieben aufgegeben und seine Terrasse mit dem Kärcher gereinigt)

Gisela: Gut wir haben einiges geschafft, wir sind nicht ganz zum Traktandum 2 gekommen, aber es war ein wertvoller Austausch. An der morgigen Sitzung werden wir dann sicher ein wenig konkreter. Kommen wir noch zu Varia…

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Fahrtenbuch 22: Griechisch lernen

Die wenigsten von uns mögen sich noch daran erinnern, wie schwierig es war, die deutsche Sprache und unser Alphabet zu erlernen. Meine Frau könnte darüber genauer Auskunft geben, wieviel mühsame Kleinarbeit das benötigt, das jemandem beizubringen. Nun stellt euch vor, ihr müsst es nochmals von Grund auf lernen. Nach einem Jahr habt ihr es einigermassen im Griff, kennt die wichtigsten Regeln, die Buchstaben und könnt euch angemessen verständigen. Gerade als es anfängt auch Spass zu machen, kommt die Lehrperson und sagt: So, ab heute lernen wir Griechisch.

Ähnlich ging es mir seit Anfangs Mai, meine Instruktion für den Bahnhof Olten (Knoten) hat begonnen. Die Basics des Stellwerkes sind mehrheitlich diesselben, und die Prozesse und Vorschriften auch. Es gibt ein paar Besonderheiten, da das Stellwerk Olten aus dem Jahr 1967 ist, aber α β γ alpha beta gamma kenne ich schon. Der Zugverkehr und die dutzenden von möglichen Fahrwegen waren dann aber ζ η θ (wer kennt die Buchstaben ohne zu spicken?) Zuerst musste ich auch mal verarbeiten, dass ich (fast) wieder von Vorne beginnen muss. Das braucht viel Energie und Konzentration, zurücklehnen gibt es selten. Es kommen dauernd Züge von vier Seiten, und alle müssen über die zwölf Gleise im Bahnhof Olten. Das raubt mir ehrlich gesagt ziemlich Energie, vor allem kratzt es auch ein wenig an meinem Ego, wieder als Anfänger Platz zu nehmen. Aber wenigstens ist Olten vorerst einmal die letzte Herausforderung. Immerhin, es scheint, dass ich meinen Störungsblitz losgeworden bin. αυτό θα είναι μια χαρά.

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In eigener Sache

Sicher habt ihr schon das neue tolle Logo auf unserem Blog entdeckt, das sehr passende Design hat Noël entworfen. Aber das ist nicht das Einzige, das sich auf Weichenherz verändert. Neu ist Noël nicht nur Chefdesigner, sondern offizieller Co-Autor. Die Ausrichtung des Blogs wird offener und geht um Spannendes, Amüsantes und Interessantes aus der Bahnwelt, nicht nur aus der Fahrdienst-Perspektive. Dazu gehören auch Reiseberichte und in naher Zukunft auch eigens erstellte Videobeiträge zum Thema. Wir wünschen weiterhin viel Spass beim Lesen und ein grosses Merci für eure Kommentare und das Begleiten in unserem Berufsalltag auf und neben der Schiene.

Noël & Dave

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