Fahrtenbuch 17: Nachtschicht Reportage

„Süsch no öppis?“ – „Nai merci, das wär alles.“ Die nette Dame beim Beck am Bahnhof Lyss händigt mir mein Znacht aus, oder besser gesagt mein Mitternachtsimbiss. Auf gehts in meine erste Nachtschicht alleine. Innerlich stelle ich mich schon auf Baustellen und Sicherheitschefs ein. Bei der Ankunft im Kommandoraum herrscht eine aufgeräumte Stimmung, haben doch einige nach langen sieben Tagen am Sonntagabend endlich frei. Müde aber erfreut begrüsst mich Celine an meinem Arbeitsplatz in der Önz. „Also folgendes,“ beginnt sie die Dienstübergabe. Auf dem Tisch liegen viele Papiere, die einige Baustellen vermuten lassen. Diese Nacht sind es sogar deren vier, in Aarburg, Rothrist, Roggwil und Langenthal. Sonst sei es aber ruhig, na wenigstens das.

Als ich mich eingerichtet und einen Überblick über den aktuellen Zugverkehr gewonnen habe, schaue ich mir die BAB’s (Betriebliche Anordnung Bau) genauer an. Sie sind alle zeitlich nacheinander auf den Zugverkehr abgestimmt. Das gilt es zuerst zu überprüfen, viele Gleise zum Fahren im Oberaargau bleiben nicht mehr übrig. Es stimmt alles und sollte nicht zu weiteren Konflikten führen. Nun muss ich die einzelnen Sperren und Fahrleitungsschaltungen anschauen und checken, wo es noch eine Sicherung braucht, das nicht aus Versehen ein Zug vor eine Baustelle fährt und nicht mehr weiterkommt. Ich bereite die Checklisten vor und versehe jede zum passenden BAB mit einem farbigen Post it und notiere mir, wann welche Sperren eingeführt werden müssen. „Dä Lehrer isch wieder do, mä gsehts“ sagt Kollege Paul beim vorbeigehen. Ich muss schmunzeln, für ihn bin ich einfah Dä Lehrer, er weiss auch nach einem Jahr meinen Namen immer noch nicht. Natürlich muss ich zwischendurch immer wieder schauen, ob meine Züge noch fahren.

Pünktlich wird jede Baustelle eingeführt und zwischendurch fahren sie in Langenthal mit einem Bagger hin und her, aber so um 01:00 kehrt auch in der Önz langsam Ruhe ein. Bald folgt der Moment, den ich fast in jeder Nacht beobachte. Es ist als würde sich ein Schleier über den Kommandoraum legen, die Gespräche verstummen fast ganz und nur noch vereinzelt klingelt ein Telefon. Die restliche Zeit bis vier Uhr kann sehr lang sein, gibt es meist nur noch wenig Verkehr. Zum Glück arbeitet diese Nacht Petra neben mir, das gibt es immer etwas zu quatschen und ich bin wieder über das Neuste BZ-Gossip upgedatet.

Auf den ersten Zug nach Hause muss ich noch eine Stunde warten, Netflix hilft mir nicht einzuschlafen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, die missmutigen Gesichter am Montagmorgen im Zug zu sehen. Gerne würde ich ihnen entgegnen, dass ich nun Wochenende habe, aber so gemein bin ich dann doch nicht. „Süsch no öppis?“ „Nai merci“ Dieselbe Verkäuferin wie am Abend zuvor händigt mir die frischen Brötchen für das Zmorge zu Hause aus. Ich hätte schwören können, sie hat ein wenig verwirrt dreingeblickt.

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Fahrtenbuch Teil 16: X-Factor

Die Fernsehkinder unter euch können sich vielleicht noch an die Sendung X-Factor erinnern. Darin wurden jeweils verschiedene Geschichten vorgestellt, die die Grenze des Denkbaren überschritten. Meist gab es zuerst keine natüliche Erklärung für die Ereignisse in den Stories. Der Clou dabei: Eine Geschichte war erfunden und am Schluss der Sendung (nach endlosen Werbepausen) wurde enthüllt, welche. Dasselbe möchte ich nun euch, liebe Leserinnen und Leser zumuten. Drei Geschichten, die mir alle in derselben Schicht im Weissenstein passiert sind, oder doch nicht? Welche denkt ihr, ist erfunden? Schreibt es in die Kommentare.

(Für die Nostalgiker)

Geschichte 1: Keine Zeit

Von Solothurn führt eine Einspurstrecke nach Biberist, weiter nach Burgdorf. Auf dieser Strecke wurde eine Unregelmässigkeit Fahrbahn gemeldet. Durch das Informationssystem sind wir mit allen angrenzenden Bahnen verbunden. Die Informationen flossen aber nur spärlich und so musste ich mehrmals beim FDL einer nicht weiter genannten schweizer Privatbahn nachfragen, was denn jetzt genau Sache sei. Nach Stunden war endlich der Fachdienst vor Ort um das Gleis zu reparieren. Ich bereitete schon eine Checkliste vor, falls mein Kollege das Gleis nach Solothurn sperren wollte. Weil dieser Abschnitt in einem sogenannten Grenzblockabschnitt liegt, müssen wir das zusammen machen. Plötzlich erschien auf dem Stellwerk eine Sperre, umgehend telefonierte ich dem benachbarten FDL, warum wir nicht zusammen das Gleis sperren? „Ah ja stimmt, ähm, ich hatte gerade keine Zeit dafür…“

Geschichte 2: Die entlaufene Ziege

Ein Lockführer meldete mir, das zwischen Wangen an der Aare und Niederbipp eine Ziege neben dem Gleis herläuft, sie scheint keine Angt vor den Zügen zu haben sondern machte sogar noch Luftsprünge zwischendurch. Umgehend wurden alle Züge informiert, sie sollen an dieser Stelle nach der Ziege Ausschau halten. Der Disponent entschied sich, wegen einer Ziege nicht die Geschwindigkeit zu verringern. Das hätte viele Verspätungsminunten zur Folge und wird eigentlich nur bei grösseren Tieren, die auch die Zugfahrt gefährden können gemacht. Klingt hart, ist aber so. Zum Glück war es ein intelligentes Tier und blieb immer auf einer Seite der Gleise und wurde durch die Signalhörner der Loks kurzzeitig weggescheucht. Nach einer Stunde konnte sie endlich eingefangen werden und ihr Ausflug in die Freiheit nahm ein jähes Ende.

Geschichte 3: Sonnenbaden

Dieser Tag war ein heisser Sommertag. Es ist durchaus verständlich, gerade wenn man am Jurasüdfuss oder im Seeland wohnhaft ist, dass das gute Wetter ausgenützt werden muss. Ein Mann trieb es jedoch ein wenig auf die Spitze. Der Lokführer eines Güterzuges meldete mir bei der Einfahrt Solothurn von Olten her, dass ein nackter Mann auf einem Liegestuhl neben den Gleisen einen Sonnenbad nimmt. Es sei aber noch ein Zaun dazwischen. Seiner Ansicht nach gehe keine Gefahr für den Zugverkehr von ihm aus. Mir fiel nachher die recht ungewöhliche Aufgabe zu, die nachfolgenden Lokführer über diese Situation zu informieren und sie jeweils um eine Einschätzung der Lage zu bitten. „Du verarschst mich jetzt oder?“ „Was hast du gesagt? Nackt?“ „Sollte man öfter machen..“ waren nur einiger der Kommentare, die ich am Telefon erhalten habe.

Fahrtenbuch 15: Wolke oder Blitz?

Bist du eine Wolke oder ein Blitz? Verwirrt drehe ich mich nach links. Was meinst du? – Bist du ein Störungsmagnet oder nicht? – Ach so, leider eher ein Blitz. Der Blick meines Nachbarn verfinstert sich. Heute nicht, abgemacht?

Anscheinend werden neue FDL auch danach beurteilt, wieviele Störungen sie produzieren. Wobei produzieren ja eigentlich das falsche Wort ist, weil meistens können wir für eine Störung nur wenig dafür. Natürlich kann ich durch falsches Disponieren Verspätungsminuten generieren oder das Stellwerk durch falsche Bedienungen lahm legen. Das sollte aber die Ausnahme sein. Im Allgemeinen kommen die Störungen einfach zu uns, oder genauer gesagt zu mir. Nach der ersten Arbeitswoche lag meine Quote bei 75% pro Arbeitstag, selbst am ruhigsten Arbeitsplatz (Solothurn, Weissenstein) wurde ich davon heimgesucht. Was auf drei Bahnhöfen alles kaputt gehen kann. Oder am Wochenende im Gäu. Heute ist Sonntag, einfach mal ruhig beschwörte ich das ILTIS Stellwerksystem und streichelte behutsam über den Bildschirm. So war es auch, ich nahm nur vier Telefone entgegen und ausser ein Extrazug war wirklich nichts los. Nach 8,5 Stunden, kurz vor dem Ende: Weichenstörung in Solothurn bei der Ausfahrt in Richtung Olten… Die Kollegen neben mir konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Dank der sehr versierten Petra, die als ADBV amtete (Assistent vom Disponent, der beste Freund des Fahrdienstleiters, weil er oder sie alle Bahnhöfe kennt und immer eine Lösung hat) konnten wir die Weiche einfach umfahren. Mit dem Pikettdienst hatte ich trotzdem Mitleid, dass er wegen dem Blitz-FDL am Sonntagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein ausrücken musste. Petra schickte mich dann 20 Minuten früher nach Hause, eventuell nicht ganz uneingennützig…

Schnipsel

Nach ereignisreichen ersten Wochen folgt endlich wieder einmal ein Blog-Update. Die Kategorie Prellbock wird an dieser Stelle pausiert. Falls ich genug neue Ideen dafür habe, gibt sie ein Comeback. Dafür gibt es neu die Kategorie Schnipsel, in der ich Interessantes, Amüsantes oder Spannendes aus meinem neuen und alten Beruf schreibe oder verlinke. Natürlich bleiben Berichte aus dem Fahrtenbuch weiterhin erhalten. Hier der erste Schnipsel:

Um als Lehrer arbeiten zu können, reichen im Kanton Schwyz mittlerweile 5 Tage! Gerade dieser Kanton bräuchte dringend qualifiziertes Personal. Unglaublich aber wahr!

Als Vergleich: Wenn du dich im Zoo Zürich als freiwilliger Helfer engagieren möchtest, benötigst du dazu einen 7 Tage Kurs..Bei Interesse hier melden!

Sommer-Special Teil 6: Einige Highlights

Auch bei den vierten Ferien in den Niederlanden gab es wieder Neues zu entdecken und zu staunen. Da sich unser Besuch langsam dem Ende zuneigt, hier einige Highlights der letzten zwei Wochen:

Fahrrad fahren

Also nicht das Fahrradfahren an sich, sondern speziell in diesem ultimativem Veloland. Eigene Velowege, nicht nur aufgemalte gelbe Streifen. Sogar rund um den Kreisverkehr, sicherer geht es fast nicht. Es gibt eine eigene App fuer Velowege, mit Informationen ueber Werkstaetten und Verpflegungsmoeglichkeiten. Erstere musste Cathy in Anspruch nehmen. Innert einer Stunde war ihr Reifen geflickt und sie bereit fuer die Weiterfahrt. Noch mehr Argumente gefaellig:

Eine mehrstoeckige, unterirdische und kostenlose Veloparkanlage beim Bahnhof Utrecht Centraal

Ebenfalls in Utrecht gesichtet

Velostrasse, Autos sind hier nur zu Gast!

Nationaal Militair Museum

Unsere Tauschfamilie gab uns als Ausflugstipp in der Region das nationale Militaermuseum mit. Okay.. A must see! Da es nur 30 Velominuten von unserem temporaeren Haus entfernt war, warum nicht? Und ehrlich, wir waren alle sehr beeindruckt. Ich denke, dass die Niederlaender auch einen anderen Bezug zu ihren Streitkraeften haben als wir, das Museum konnte sich auf jeden Fall sehen lassen. Ich vermute, dass sie auch ein anderes Budget zur Verfuegung haben als das Fliegermuseum Duebendorf. Natuerlich kamen auch die Aviatikfans in unserer Familie nicht zu kurz. Zum schmunzeln regte uns ein ausgestellter F5-Tiger an, hier als Antiquitaet verkauft, bei uns immer noch in der Luft. Zum Abschluss konnten wir noch eine Runde in einem alten Militaertransporter mitfahren, und fast haetten wir im Shop ein Tarnzelt gekauft. Svea hat uns wohlweislich davon abgehalten.

Maasvlakte 2, der groesste Hafen Europas

Noel hat dank seiner Top Berufsschule verschiedenste Einblicke in die Welt der Logistik. Waere es moeglich, den neuen Hafen vor Rotterdam zu besuchen? Hausherr Bram suchte uns die Informationen heraus. Wir seien die ersten in 15 Jahren Haustausch, die das machen wollen. Sobald er von Noels Berufslehre erfuhr, war es ihm klar warum. Bis dahin war es aber eine ziemliche Reise, zuerst mit dem Zug zwei Stunden bis Rotterdam, dann mit der Metro bis an den Strand und zum Schluss noch die Faehre. Unterwegs zum Hafen trafen wir sogar Seehunde an, der Kapitaen machte extra eine Schlaufe, damit wir sie vom Nahen sehen konnten. Seit den Bauarbeiten am neuen Hafen sind sie hier heimisch geworden, vor allem der flach abfallende Strand sagt ihnen sehr zu. Sie scheinen sich an den Ozeanriesen nicht zu stoeren. Die Hafentour war sehr eindruecklich, auch wenn die vor allem die gruenen Firmen, zum Beispiel eine die Fundamente fuer Windraeder herstellt, betont wurden. Der erste vegane Hafen Europas, witzelten wir. Trotz allem, fuer uns Landratten ein einmaliges Erlebnis. So ein voll automatisiertes Containerterminal ist schon sehr imposant. Und hey: Seehunde!

Die Schwester des weltbekannten Schiffes

City Life

Wie schon in den vorherigen Berichten beschrieben, die Staedte in den Niederlanden haben es uns angetan. Vor allem gibt es auch ausserhalb von Amsterdam (das mittlerweile wirklich ueberlaufen ist) spannende Orte zu entdecken. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter und die Mischung von Moderne und Tradition ist sehr interessant. Natuerlich kamen auch unsere Shoppingqueens auf ihre Kosten, dank dem momentanen Eurokurs muessen wir nach unserer Rueckkehr nicht gerade Konkurs anmelden. Manchmal sind wir auch ohne Ziel durch die Strassen geschlendert oder mit dem Tram gefahren und haben dabei so manches lustige Detail entdeckt, zum Beispiel ein Cafe, in dem zwei echte Katzen auf der Theke chillten.

Sommer Special Teil 5: Unterwegs mit dem OV in Holland

Nun ist eine Woche um, Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen, wie wir ohne Auto in den Ferien zurechtkommen. Insgesamt kann ich sagen, erstaunlich gut. Klar gibt es Momente, wo ein Auto um einiges praktischer waere, zum Beispiel beim Einkaufen. Aber unsere Kinder sind auch groesser geworden, wir haben keinen Kinderwagen zum schieben und alle tragen ihre Rucksaecke selber. In einem Land wie Holland ist es auch problemlos machbar wuerde ich sagen. Die Verbindungen sind meist gut, nur die Anschluesse sind nicht immer so smooth wie bei uns. Manchmal stehen wir 15 Minuten auf dem Perron oder rennen durch den Bahnhof. In grossen Staedten wie Rotterdam oder Den Haag waere es ein Irsinn, mit dem Auto unterwegs zu sein. Metro, Tram oder Bus sind immer in Reichweite. Die Innenstadte sind zudem meist radikal autofrei, vor allem Den Haag hat uns sehr beeindruckt. Sogar das Tram wurde in einen Tunnel verbannt. Dafuer haben die Bewohner die grossen Plaetze in Beschlag genommen und geniessen das schoene Wetter in Cafes oder im Park. So sieht eine Stadt aus, wenn sie fuer Menschen gebaut wird statt fuer Autos, bemerkte Noel. Recht hat er. Wir haben mittlerweile 793 km mit OV zurueckgelegt, dabei sammelten wir 115 Verspaetungsminuten. Das ist mehr als akzeptabel. Alle Fahrten haben mich bis jetzt 130 Franken gekostet. Top ist das Gruppenticket, mit dem nach den Stosszeiten fuer 10 Euro pro Weg (egal wohin) gefahren werden kann.

Was ist nun meine (subjektive) Einschaetzung zum OV in den Niederlanden? Ich versuche es, in verschiedenen Punkten zu erlaeutern.

Infrastruktur: Durchgehende positiv. In den letzten Jahren wurde offensichtlich viel investiert. Die grossen Bahnhoefe sind moderne Palaeste, gut zugaenglich, uebersichtlich und sehr grosszuegig angelegt. Die Wege sind kurz und top beschildert. Auch kleine Bahnhoefe haben hohe Perrons und natuerlich Veloparkplaetze.

Vom Perron kann in Den Haag eine Etage hoeher direkt ins Tram umgestiegen werden, das nachher im Tramtunnel durch die city verschwindet.

Rollmaterial: Tag und Nacht wuerde ich sagen. Die Regioverbindungen sind top, Niederflur, geraeumig und viel Platz. Im Fernverkehr hingegen verkehren Zuege aus den Achtzigern mit entsprechend wenig Komfort. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl hast du verloren. Ab diesem Jahr verkehren endlich neue Intercity Zuege, die sind auch dringend noetig. Mit Thalys, ICE oder Eurostar ist die Niederlande mit modernen Highspeed Trains verbunden.

Ein „Koploper“ Intercity, in den Achtzigern der Shit.

Ein moderner Regio in unserem Heimatbahnhof Soest

Nahverkehr: Absolut Top, mit der OV-Chipkaart koennen alle Verkehrsmittel benutzt werden, es wird immer der guenstigste Preis berechnet. Das Rollmaterial ist meist auf dem neusten Stand und wir haben uns dank der Apps der Verkehrsbetriebe immer zurechtgefunden. Meine neue Lieblingstramlinie: Der Strandexpress! Ohne halt von Centraal zum Strand.

Der Tramtunnel in Den Haag

Metro in Rotterdam, die auch an den Strand oder nach Den Haag faehrt.

Service: Erstaunlich viele Zuege, auch Regios haben einen Zugbegleiter. Ich hoffe fest, dass sie nicht denselben Fehler machen wie wir und beim Personal sparen. Auch die App der Staatsbahn ist gut, ausser das die Kreditkarte nicht permanent mit der App verknuepft werden kann ist relativ nervig. Insgesamt stelle ich dem OV eine gute bis sehr gute Note aus. Das Autofahren fehlt uns bis jetzt gar nicht. Vielleicht aendert sich unsere Meinung, wenn wir Kiloweise Hagelslag und Stroopwafeln nach Hause schleppen muessen.

Sommer – Special Teil 4: Kampf der Moeven (von Svea)

18.Juli.2023, an dem Tag haben wir beschlossen an den Strand zu gehen. Das Wetter passte also freuten wir uns auf den tollen Strandtag. Wir gingen an einen Strand ihn Den Haag. Als wir am Strand ankamen waren alle happy. Wir gingen also sofort ins Wasser , Mami natuerlich ausgenommen (: Die Wellen waren sehr hoch und es war wirklich toll. Doch nach so viel schwimmen hatten wir auch etwas Hunger. Also sind ich (Svea), Noel und Papi Essen holen gegangen. Ich glaube ihr koennt es euch schon denken, nateurlich habe ich mir Pommes ausgesucht. Happy sind wir mit unserem Essen zum Strand gelaufen.

Wir laufen und die ersten Moeven treiben ueber uns. Und es werden immer mehr, langsam verging auch mein Lachen und ich merkte, dass ich mein Essen verteidigen muss.Es geht ja um meine Pommes! Wer mich nicht so gut kennt, weiss vielleicht nicht, dass ich sehr gerne Pommes habe. Teilen ist ja nicht schlimm, wenn man fragt und ich glaube euch allen ist bewusst, dass Moeven nicht gerade gespraechsfreudig sind. Ihnen geht es mehr ums stehlen. Als dann die Erste richtig nahe kam waren wir etwas baff. Ich weis nicht mehr wer aber jemand von uns sagte „frech“, ja das war es in der Tat. Schnell kammen immer mehr dazu, ich weiss nicht mehr wieviele. Ich blieb stehen weil es so viele waren. Eine schnappte nach Papi’s Calamares. Die Moeve hat eines heraus gepickt, so richtig schnell das Papi voller Schock es fallen liess, alle anderen stuerzten sich drauf. Noel rannte schnell weg zu seinem Badetuch. Ich und Papi hingegen waren noch etwas umkreist fanden aber auch zum Platz. Am Ende konnte ich meine Pommes doch noch geniessen, ich versteckte mich unter meinem Badetuch. Nun musste ich (leider) mit Nuki teilen. Es gab keine Verletzten. Dafuer habe ich jetzt Angst vor Moeven, weil sie wirklich frech sein koennen, skandaloes.

Sommer-Special Teil 3: Soest einfach

Vollbepackt ging unsere Reise weiter in Richtung unseres Ziels: Soest in der Naehe von Utrecht. Zuerst schien alles ruhig und puenktlich zu sein, der Intercity holte sogar seine Verspaetung wieder auf. Leider gab es auf einem Bahnhof einen Polizeieinsatz und diese 25 Minuten Verspaetung waren zuviel des Guten. In Bruxelles Midi sahen wir unseren Thalys gerade noch ausfahren. Der sehr nette Herr der SNCB stellte uns am Schalter eine Verspaetungsmeldung aus, mit doppeltem Stempel und Unterschrift. Damit konnten wir einfach in den naechsten Thalys nach Rotterdam einsteigen. Es gibt schlimmere Orte als Belgien, um die Zeit totzuschlagen. Der Waffelstand und die erste Chocomel des Sommers trugen erheblich zur Stimmungsauflockerung bei.

Der Rest der Reise verlief ohne Zwischenfaelle, ausser in Utrecht wurde es schnell hektisch bis wir alle unsere OV-Chipkarte in den Fingern hatten. Es haette uns auch vorher in den Sinn kommen koennen, das wir zuerst durch die Schranke, eine Karte kaufen und wieder rein gehen muessen. Man lernt nie aus. Schlussendlich kamen wir muede und zufrieden am Kerkpad in Soest an. Das Haus ist sehr hell und einladend, ausser den halsbrecherischen Treppen (wieviele Unfaelle gibt es in den Niederlanden wohl im Jahr aufgrund der engen Treppenabsaetze?) fuehlten wir uns schnell zu Hause. Hausherr Bram hatte sogar extra ein Znacht fuer uns vorbereitet, das ist Service.

Ich bin gespannt, wie unsere ersten Ferien ohne Auto, nur mit Fahrrad und OV sein werden. Zum Glueck ist diese Familie fuer einmal sehr gut mit Fahrraedern ausgeruestet, wir mussten nur fuer Svea noch eines mieten, weil die richtige Groesse nicht vorhanden war. Bekanntlich sind die Niederlaenderinnen tendenziell eher grossgewachsen, was sich einmal mehr bestaetigte. So werden wir neben Zug auch Fahrrad fahren, was Ferien so mit einem machen, kaum zu glauben.

Ein bisschen Klischee muss auch sein

Das Highlight des Hauses: Mit dem vollbeladenen Cargobike nach den Einkaeufen direkt in die Kueche fahren. Macht me viu zweni! Cathy moechte jetzt unbedingt so ein Cargo Bike, auch wenn wir zu Hause nicht in die Kueche fahren koennen.

(Fotos des Sommer Specials von Cathy, Noel und Svea)

Sommerspecial Teil 2: Wandern mit den Woelfen von Echternach

Zwei Dinge moegen euch nach diesem Titel seltsam vorkommen: Woelfe in Luxembourg? Familie Wendel wandert? Woelfe haben wir keine gesehen, aber ja, wir sind tatsaechlich gewandert. Zuerst ging es mit dem Ueberlandbus (der auch kostenlos ist) nach Echternach, wo unsere Route durch das Muellertal und die Wolfsschlucht ihren Anfang nahm. Nach den ersten Hoehenmetern war erst einmal Pause angesagt und das versprochene Picknick vernichtet. Danach ging es durch teils spektakulaere Landschaften, die sogar den Wandermuffeln in unserer Familie (ich eingeschlossen) die schweren Fuesse vergessen liessen. Der „Nachteil“ war, dass es viel zu entdecken gab. Cathy und ich fuehlten uns in die Zeit zurueck versetzt, als ein Spaziergang mit Kinderwagen ins Dorf und zurueck auch gut mal zwei Stunden dauerte. Heutzutage muss natuerlich auch noch der passende Insta-Spot gefunden werden und die Beleuchtung stimmen. Dementsprechend kuerzten wir aus Zeitgruenden die Route in der Haelfte ab. Das war nur moeglich, weil auch in einem kleinen Ort in der Pampa von Luxembourg gilt: De Bus halt!

Sommer-Special Teil 1: Luxembourg

Ihr habt vielleicht schon Wellen in Hawaii geritten, Berge in den Anden bezwungen oder Sushi in Tokio gegessen, aber wart ihr schon einmal in Luxembourg? Tja, eben. Anouk und Noel haben uns auf die Idee gebracht, die schon einmal fuer ein Wochenende dort waren. Da unsere Haustauscher in den Niederlanden erst am Montag ausfliegen, haben wir einen Zwischenstopp in der Wiege der Luxemburgerli eingelegt. Davon moechte ich euch im ersten Sommer-Special berichten. Somit wird die Tradition des Ferienblogs (www.spirgi.com/wendel) auf Weichenherz, wenn auch in kuerzerer Form weitergefuehrt. Natuerlich werde ich auch das eine oder andere Wort ueber den OV in fernen Landen verlieren.

Mit dem TGV von Meroux (direkter Zubringer ab Biel) sind wir mit tolerierbaren elf Minuten Verspaetung angekommen. Mit dem Bus ging es bergauf und bergab zu unserem Hotel. Die Stadt hat sich quasi links und rechts von einem grossen Tal festgesetzt. Ein Gaudi ist die Letzeburgische Sprache, noch witziger als Niederlaendisch. Manchmal ist es 1:1 Schweizerdeutsch und dann versteht man wieder gar nichts mehr. In Laeden und Restaurants muss jeweils herausgefunden werden, mit welcher Sprache am besten parliert wird, das kann je nachdem eine Weile dauern.

Die Stadt selber ist sehr schoen, sehr modern und ein Paradies fuer Schopping Queens. Es gibt nicht unbedingt eine schmucke Altstadt, aber viele Prachtbauten und Boulevards. Alles ist nah beieinander oder praktisch mit Bus und Tram erreichbar. Letztere sind in Luxembourg komplett gratis! Das ist eimal eine Ansage! Vor allem ist auch das Angebot und die Verbindungen wirklich gut. Neue Elektrobusse kurven durch das Tal und die Tramlinie ist wirklich spitze. Auf den Hauptverkehrsachsen wurden Autospuren den Schienen geopfert, somit muss das Tram nicht mit dem Verkehr im Stau stehen, was sehr radikal und gleichzeitig genial ist. Es gibt noch keine offiziellen Zahlen, ob der Gratis-OV wirklich mehr Leute weg vom Auto bringt, uns hat es auf jeden Fall ueberzeugt. Natuerlich ist auch in Luxembourg das Fahrrad sehr beliebt. Der spektakulaerste Fahrradweg befindet sich unter! der Pont Adolphe. Das ist mal innerstaedtische Raumplanung.

Luxembourg: Auch hier is real!