Fahrtenbuch Teil 13:

Dieses Meme aus South Park bringt meine momentane Stimmungslage sehr treffend auf den Punkt. Die letzten zwei Monate der Ausbildung hatten es echt in sich, es blieb kaum Zeit zum Verschnaufen. Simulatorrunde folgte auf Simulatorrunde, wöhrend der Repetitionswoche haben wir die wichtigsten Themen nochmals im Schnellzug durchgenommen. Mein älteres Hirni benötigte dazu ein wenig mehr Zeit als bei anderen und so wurden die Tage lange und intensiv. Nach der Standortbestimmung folgte ein Monat später die Theorieprüfung. Stolz verkündete mein Quizlet „Sie haben eine 3-Wöchige Lernserie erreicht“. Am Tag vor der Prüfung verzeichnete mein Quizlet zum Normalbetrieb 25 Zugriffe. Es hat mich natürlich gefreut, dass meine Kollegen*innen die selbst erstellten Quizlets auch benutzen, lieber spät als nie.

Am Abend der bestandenen Theorieprüfung kam bereits das Mail für die Rolleninstruktion im Sektor Mittelland. Nach hoffentlich bestandener praktischen Prüfung werde ich an den drei Arbeitsplätzen Weissenstein, Gäu und Önz instruiert. Während dieser vier-wöchigen Instruktionsphase muss ich mir möglichst viele Eigenheiten dieser Abschnitte einprägen, die ich noch nicht weiss. Natürlich gibt es auch darüber wieder einen Test, genannt „Zielcheck“. Aber ich lasse mich nicht mehr von solchen Phrasen täuschen. Die Standortbestimmung hat sich eher wie eine Prüfung angefühlt, ich falle nicht nochmal drauf herein. Wenn ich diese Hürde auch gemeistert habe gilt es anschliessend ernst, ich werde alleine arbeiten. Natürlich mit Unterstützung von rechts und links, hoffe ich zumindest. Wenn ich daran denke wird mir jetzt schon schwindelig. Vielleicht sollte ich wirklich ernsthaft in Betracht ziehen, mit meditieren zu beginnen.

Trotz allem macht es mir immer noch Spass und besonders gegen das Ende zu heisst es Augen zu und durch. Am Bahnhof in Bern habe ich dazu einen passenden Spruch gefunden: The only easy day was yesterday.

Gastbeitrag von Anouk: Die Deutsche Bahn, meine Liebe

„In wenigen Minuten erreichen wir Hannover Hauptbahnhof, mit einer Verspätung von 30 Minuten, wir entschuldigen uns für die Verzögerung und bedanken uns für ihre Reise mit der Deutschen Bahn…“

So klang es bei meinem ersten DB Abenteuer, die genaue Verspätung weiss ich nicht mehr, aber 30 Minuten waren es bestimmt. Neben den vielen Verspätungen haben sich viele Abenteuer angesammelt, die nun zu diesem Gastbeitrag geführt haben. Der Text ist aber keinesfalls als Kritik zu verstehen, ich geniesse die Zeit mit der DB sehr, die Züge sind meist sauber und bequem. Vielleicht gerade deswegen sorgt sie sich um mich, dass ich noch etwas länger im ICE sitzen bleiben kann. Hier nun drei anekdotische Geschichten aus meiner langjährigen Beziehung mit der Deutschen Bahn.

Romantische Nacht?

Vor meiner ersten Fahrt mit dem Nachtzug hatte ich eine sehr romantische Vorstellung, wie es halt so ist beim ersten Mal. Eine schöne Mitternachtsdusche während ich mit 200 km/h durch die Landschaft rase und die Lichter an mir vorbeiziehen. Dafür hätte ich von Wien nach Hannover laufendes Wasser gebraucht und einen fahrenden Zug. Vor dem Morgenessen bin ich in Kassel auf einen Anschlusszug umgestiegen und fuhr im Veloabteil auf meinem Koffer weiter. Romantik sieht anders aus. Schade eigentlich…

Die Dreiecksbeziehung

Man fährt ja bekanntlich nicht alleine Zug und so war ich dazu gezwungen meine Liebe, die DB zu teilen. Mit Leuten die Käsescheiben und Shrimps roh essen, die sich in einem leeren Zug genau auf mein reservierten Platz setzen oder ganz nebenbei die Zugtoilette in Brand stecken. Ja ich weiss auch nicht wie… Doch es hatte genauso nette Menschen, die sich an meinem Dialekt erfreuten,mein schweres Gepäck auf die Ablage packten oder mir bestätigten das ich im richtigen Teil war (zweigeteilte Züge sind gefährlicher als man denkt). Denn irgendwie sind wir ja auch alle einfach froh wenn der Zug fährt. Ausser der Typ, der die Toilette angezündet hat offensichtlich nicht.

Lieblingstädte

Meine Lieblingstädte sind euch sicherlich bekannt, doch wusstet dir, dass mein ICE auch eine Lieblingsstadt hat? Freiburg im Breisgau heisst sie, er liebt sie so sehr, dass er immer mal wieder einfach dort stehen bleibt und nicht mehr weiter fahren will. Er hatte Freiburg aber auch einmal mit Karlsruhe betrogen, das war der Tag meiner legendären Dreiländerreise während Corona. Ja ihr habt richtig gelesen, ich bin während der Hochphase von Covid-19 an einem Tag durch drei Länder gefahren. Wieso? Weil ich beim Raussuchen einer alternativen Verbindung nicht gemerkt habe, dass Straßburg ja in Frankreich und nicht in Deutschland liegt. Ohne Formulare und Zertifikate habe ich drei Landesgrenzen überquert. Irgendwie hab ich den Wechsel nicht mitbekommen. Aber ich war ja auch mit Zugfahren beschäftigt.

Das sind nur drei kleine Anekdoten aus meiner DB Zeit und ihnen werden sicherlich noch viele folgen. Trotz allem bin ich der Deutschen Bahn sehr dankbar. Schliesslich führ ich dank ihr  nun schon seit sechs Jahre erfolgreich eine Fernbeziehung. Sie mag zwar nicht immer Pünktlich sein, doch sie hat mich noch immer an mein Ziel gebrachtund was sind da schon ein paar Minuten ausser die Abenteuer die es zu erzählen gibt?

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Fahrtenbuch Teil 12: Ironie ist…

… die humorvollste Art der Selbstkritik (Sinan Gölül). Das durfte ich während der Zwischen-prüfung 3 persönlich erfahren. In unserer Ausbildung trägt sie den Namen Standort-bestimmung, Wer jetzt an eine Zeugnisbesprechung Ende des Schuljahres in der Oberstufe denkt, könnte nicht falscher liegen. Hinter dem klingenden Namen verbirgt sich ein Theorietest (einmal mit Allem und extra scharf) und eine 1.5h dauernde Fahrplanrunde am Simulator mit Experten. Bei Nichtbestehen fliegt man zum Glück nicht gerade raus, aber sie ist das wichtigste Element für das Gespräch in zwei Wochen mit Klassenverantwortlichen und Ausbildern. An diesem Gespräch wird entschieden, ob ich zur Abschlussprüfung zugelassen werde oder sie mir nahelegen, den nächsten Zug zu nehmen, Lyss einfach.

Da die letzten Fahrplanrunden doch immer wie besser liefen, war ich eingermassen zuversichtlich für die praktische Prüfung, entschuldigung Standortbestimmung. Die Runde war mit einem Ausbilder, der quasi ein Drechbuch inklusive aller Rollen durchspielte. Der Fahrdienstexperte (kurz FEX genannt) sass an einem separaten Terminal und protokollierte und bewertete jeden meiner Schritte. Parallel lief das elektronische Protokoll des Stellwerks auf dem jeder meiner Klicks aufgezeichnet wurde. Einmal mehr wäre ich vor Nervosität fast gestorben (aber das muss ich wohl nicht mehr extra erwähnen), nach bangem Warten ging es endlich los, und wie. Ein Anruf nach dem anderen, das Schwierige war rechtzeitig das Richtige zu tun. Unerbittlich tickte der Fahrplan und liess kaum Zeit zum Verschnaufen. Ein paar Dinge hätte ich eleganter machen können, aber bis 1h und 15 min hatte ich den Eindruck, dass ich es recht gut gemeistert habe. Ich musste rangieren, Gleise sperren, Fahrleitung sichern, eine liegengebliebene Lok abholen und eine Blockstörung beheben. Zum Schluss kam genau dieses Beispiel, dass ich im letzten Beitrag beschrieben habe. „Das spiele ich nun souverän runter, dann habe ich es geschafft“, sagte ich ich mir. Und das tat ich auch, bis zum allerletzten Befehl (siehe Punkt 9). Für die Schutzgeschwindigkeit auf der 2. letzten Zeile schrieb ich den falschen Signalnamen auf, ich habe nich bemerkt, dass der Zug aus einem anderen Gleis als der vorherige losfuhr. Ein schwerer Sicherheitsfehler. Durchgefallen. Wenn mir dieser Fehler nicht passiert wäre, hätte ich eine 4.5 bis 5 geschafft. Die Ironie der Sache ist (abgesehen von Blogbeitrag), dass ich mir den Signalnamen hätte sparen können. Der Bahnhofsnamen hätte genügt.

Fahrtenbuch Teil 11: Der Teufel steckt im Detail

In anbetracht der anstehenden Prüfungen möchte ich euch anhand eines Beispiels aufzeigen, warum der Teufel bei uns oft im Detail steckt und was alles beachtet werden muss. Eine solche Aufgabe könnte nächste Woche im praktischen Teil vorkommen. Ihr könnt euch beim Lesen überlegen, welche Teilschritte sicherheitsrelevant sind und ergo bei einer Fehlbedienung oder Unterlassung als schwerer Fehler bewertet (sprich durchgefallen) werden würde.

Aufgabe: Lf von Zug 60723 meldet nach der Einfahrt Solothurn von Oltern her kommend einen Schlag von den Gleisen auf sein Fahrzeug, ca. bei Kilometer 71.8 oder 71.9. Er hat es nicht mehr genau gesehen. Das Gleis sei aber noch fahrbahr.

Stellwerk Solothurn

①Erstsicherung (Sperre) auf Streckengleis 312

②Ausfüllen der Ereignischeckliste ECL

③a) Anhand des Sicherheitsanlagenplans (SA) überprüfen, ob seine Angaben korrekt sind

Wie ihr seht war die Angabe des Lf korrekt, aber nicht sehr exakt

③b) Disponent Bahnverkehr (Chef im Sektor) informieren und die Bahntechnik anweisen, den Schaden zu kontrollieren und allenfalls zu reparieren

④Sichern des gestörten Abschnittes indem der automatische Signalbetrieb ausgeschaltet wird, Text auf das Gleis „Befehle abgeben“ einfügen

⑤Zulaufsicherungen grossräumig einschalten, so dass von Luterbach möglichst kein Zug mehr in diesen Bereich einfährt

⑥Züge umleiten, Einspurbetrieb einrichten zwischen Luterbach und Solothurn

⑦Leider hat es für den nächsten Zug 513 nicht mehr gereicht ihn umzuleiten, d.h. ich muss ihm ein Sammelformular Befehl abgeben, damit er seine Geschwindigkeit in diesem Bereich reduziert

⑧Vor der Abgabe überprüfe ich nochmals den Verlauf der Kilometer und die Signalnummer

⑨Befehl vorschreiben, jede Angabe (gelb angestrichen) korrekt einsetzen

⑩Für die Abgabe des Befehls an einem geeigneten Ort Stillstand von 513 einholen

⑪Befehl übermitteln, wiederholen lassen, allfällige Versprecher des Lf sofort korrigieren

⑫Nach der Fahrt von 513 nachfragen, ob er etwas bemerkt hat. Ja: Gleis darf nicht mehr befahren werden. Nein: Alle Züge über diesen Abschnitt dürfen nur noch Vmax 40 km/h fahren und müssen dementsprechend mit Befehl (wie oben) informiert werden

⑬Nachdem die Bahntechnik den Abschnitt kontrolliert, repariert und freigegeben hat, kann ich die Sicherungsmassnahmen wieder aufheben

⑭Whatsapps lesen von genervten Familienmitgliedern und Bekannten, die sich über Verspätungen zwischen Olten und Biel beklagen. Ihnen versuchen zu erklären, dass wir alles richtig gemacht haben damit sie sicher nach Hause kommen.

Nun seid ihr dran, schreibt eure Vermutungen in die Kommentare!

ADW Teil 4

Die gesuchten Begriffe der Woche waren: ASAZ und BNOF. Vieln dank einmal mehr für die kreativen Einsendungen, der Sieger der Woche ist: Rangierleiter versteht nicht ANSAZweise was er macht, Gratulation Noël! ADW macht nun bis zum Ende meiner Prüfungen (nächste Woche Zwischenprüfung 3 und am 21.4. Theorie) eine Pause. Der Blog wird je nach Zeit ein Update bekommen, ich kann noch nichts versprechen. Hier noch die Auflösung:

ASAZ: Anzeige betreffend Sicherheitsanlage zuordnen (z.B. wenn eine Weiche ausgebaut wird benötigt das ein spezielles Protokoll und einen Vermerk auf dem Stellwerk)

BNOF: Barriere notöffen

ADW Teil 3

Die gesuchten Begriffe der Woche waren: HIST und IUMG, der Sieger der Woche ist: Hochwasser im Stellwerk, Gratulation Noël! Vielen Dank fürs Mitmachen, ihr seid sehr kreativ. Die Auflösung:

HIST: Hilfssignal beleuchten (wenn das normale Hauptsignal nicht auf Fahrt geht)

IUMG: Isolierumgehung Gleis (ein Override wenn ein Gleis eine falsche Belegung anzeigt)

Die neuen ADW sind: ASAZ & BNOF

Fahrtenbuch: Was hat die Nacht mit dem Schlaf zu tun? Teil 2

Eine Regel gilt für alle Schichten, für die Nacht im Besonderen: Es gibt nichts was es nicht gibt. Es folgen Erlebnisse aus der 2. Nachtschichtwoche und eure Fantasie ist gefragt! Bevor ihr nach den Untertiteln weiterliest, könnt ihr euch überlegen was passiert sein könnte.

Von der Polizei bewachter Schotter

Bei einer Baustelle hatte eine Gleisbaumaschine einen Defekt. Die Panne konnte relativ rasch behoben werden, aber dabei liefen ca. 20 Liter Öl in den Schotter aus. Das löste eine Kaskade von Massnahmen aus, schliesslich stand der Gewässerschutz Pikett des Kantons Aargau (den gibt es wirklich) auf Platz, der wiederum die Kantonspolizei aufbot, um das korrekte Ausschaufeln und Entsorgen des kontaminierten Schotters zu überwachen. Die Bauarbeiten konnten in dieser Nacht nicht mehr aufgenommen werden.

Händchenhalten für Lokführer 50922*

Bei Schichtantritt bekamen wir die Info, das Zug 50922 in Däniken Rangierbahnhof ausnahmsweise nicht von Seite Olten sondern von Seite Zürich an seine Wagen anfahren soll. Sein Fahrweg war im Zugleitsystem schon korrekt eingegeben und der Lf wurde informiert. Trotzdem rief er mich vor der Einfahrt in den Rangierbahnhof an und wiederholte die Anweisung nochmals. Doppelt hält besser dachte ich, kein Problem. 5 Minuten später klingelt es schon wieder. „Also gell, ich muss von Seite Zürich her anfahren“ – „Ja ist schon eingestellt“ – „Kannst du gerade dranbleiben? Ich habe hier schon schlechte Erfahrungen gemacht.“ – „ähhm ja, klar, sicher“. Und so bleibe ich weitere 5 Minuten in der Leitung und schaue, wie der rote Strich von Zug 50922 im Rangierbahnhof bis an sein Ziel fährt. Händchenhalten per GSMR.

Zwergsignal X51 lässt dich nicht hängen

Als 50922 an seine Last anfuhr, ragte seine Lok leider über das Ausfahrsignal hinaus. Als er abfahren wollte, konnte er dementsprechend das Signal nicht sehen. *Dring..* „Du also, ich kann das Signal nicht sehen. “ – „Das Signal geht so eh nicht auf Fahrt, aber ich kann dich rangiermässig ins Gleis zwo nehmen und ab dann geht es normal mit Hauptsignalen weiter“ – „Ja aber ich sehe das Zwergsignal nicht“ – (Ich stelle die Fahrstrasse ein) – „Zwergsignal X-Ray 51 zeigt Fahrt“ – “ Das ist mir zu unsicher“ – „ähmm“ – “ Ich gehe schnell nach hinten und schaue nach ob es Fahrt zeigt“ – “ ähmm…“ – „Also ich habe Zwergsignal X51 gesehen, es zeigt Fahrt“ – „…“

Support vom Lokführerkollegen

Und 50922 zum Dritten. Sein Zug steht nun quer über den Rangierbahnhof und auf der Strecke Olten – Zürich vor dem Hauptsignal, das nun (wie versprochen) Fahrt zeigt. Nach zwei Minuten rufe ich ihn an: „Es ist offen, du kannst fahren“ – „Ja ich habe hier eine gelb leuchtende Anzeige im Führerstand, ich weiss nicht was die bedeutet“ – „ich leider auch nicht“ – “ ich rufe einen Kollegen an und frage ihn“ – “ ähmm (normalerweise haben sie eine Hotline für solche Fragen)“ fünf weitere Minuten vergehen (im Fahrdienst eine Ewigkeit). Ich stelle mir vor wie sein Kollege in einer lauten Bar am Samstagabend den Anruf entgegennimmt und zuerst nach draussen muss. „Also es ist anscheinend eine Fehlfunktion der Balise, die Fahrstrasse ist noch offen?“ Er steht direkt vor dem immer noch offenen Hauptsignal.

*anonymisierte Zugnummer

ADW Teil 2

Liebe Leserinnen und Leser, vielen Dank für eure kreativen Einsendungen und fürs mitmachen! Das motiviert doch für eine nächste Runde! Aber zuerst die Auflösung:

SAUF: Signal Aufrüstung (wenn es abgestürzt ist zum Neustarten)

BRUU: Barriere Raumüberwachung Umgehung (eine Notbedienung wenn die Raumüberwachung gestört ist)

Es war wirklich schwierig für die unabhängige Jury, den besten Vorschlag auszuwählen. Gewonnen hat: Schicht Arbeit Unausgeschlafen Fernbleiben von Marian, Gratulation! Dein Preis bekommst du im Laufe der Woche zugestellt.

Hier die neuen ADW, viel Spass beim Raten:

HIST

IUMG

Fahrbereitschaft Teil 6: Schichtende absehbar

Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr innerlich schon mit etwas abgeschlossen habt, aber trotzdem noch die Contenance bewahren müsst? So erging es mir in den letzten sechs Monaten an meiner alten Arbeitsstelle in Solothurn. Plötzlich waren Fragen wie: Wann schicke ich meine Kündigung ab? Welche Bücher gehören mir? Wo war schon wieder der geheime Whisky-Vorrat? viel wichtiger als das Tagesgeschäft. Zur ersten Frage habe ich lange hin und her überlegt. Schlussendlich entschied ich spontan am Montag nach der Vertragsunterzeichnung das Team in der 10i Pause zu informieren. Präventiv habe ich drei Kollegen schon vorgewarnt, da ihre weitere Lebensplanung von meinem Entscheid eventuell tangiert werden könnte. Sie waren zwar traurig (oder haben wenigstens so getan), aber haben sich von meiner beruflichen Neuausrichtung nicht beirren lassen. Richtig so. Der Rest des Teams war ziemlich überrascht, ihre Reaktionen verursachten dann doch ein schlechtes Gewissen bei mir. Zum Glück gingen mit Yussuf und Boran in der folgenden Lektion dermassen auf den Sack, dass es schnell wieder verflog. Zwischendurch fiel es mir wirklich schwer, mich noch zu motivieren. Die Kaffepausen dauerten zugegebenermassen immer wie länger, dafür nahm ich es meist ein wenig relaxter. Davon profitierten Yussuf und Boran wiederum. Obwohl ich immer noch auf ihr Abschlussprotokoll der Projektarbeit warte…

Mein ursprünglicher Plan wäre es gewesen, mich von August bis Oktober hauptsächlich der Verbesserung meiner feinmotorischen Fähigkeiten zu widmen. Leider wurde dieser Plan von der Belegschaft des Dammwegs 36 und unserem Budget einstimmig verworfen. So machte ich mich auf die Suche nach einem Stellvertretungsjob. Da bemerkte ich schnell, dass der Wind sich gedreht hat. Musste ich bisher dutzende Bewerbungen schreiben, hoffen und bangen, konnte ich nun aussuchen wo ich arbeiten wollte. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich hätte sogar eine Stelle in einer Klasse zur besonderen Förderung an der Unterstufe bekommen, obwohl ich davon keine Ahnung habe und das beim Gespräch auch erwähnte. Interessant war auch ein Schulleiter, der sich erst nach einer Woche bei mir meldete und es sehr bedauerte, dass ich schon eine Stelle gefunden hatte. Am nächsten Tag las ich exakt von ihm ein Interview in der Zeitung, wo er sich über den Lehrermangel beklagte. Kritisch BAZ. Anscheinend weht der neue WInd noch nicht in allen Lehrerzimmern. In Kirchberg fand ich schlussendlich eine passende Stellvertretung und traf dort sehr nette und hilfsbereite Leute an. Eine gute Wahl, im wahrsten Sinne des Wortes.

ZSU, NHR, HIST und AZGG

Die Welt der SBB im Allgemeinen und des Fahrdienstes im Speziellen besteht zu einem grossen Teil aus Abkürzungen. Einige sind logisch auf den ersten Blick, andere könnten gerade so gut chinesische Schriftzeichen sein. Es würde keinen Unterschied machen. Um Euch, meine lieben Leser*innen diese Welt ein wenig näher zu bringen, gibt es im Blog eine neue Kategorie, die Abkürzungen der Woche. Nachher seid ihr an der Reihe: Schreibt eure Vermutung (was verbirgt sich dahinter?) oder einfach einen kreativen Vorschlag in die Kommentare. Der beste oder exakteste Kommentar wird mit einer Schoggi aus dem Berner Jura belohnt. Falls meine ZVLA Gspänli hier mitlesen, bitte keine Spoiler hinschreiben. Ich weiss, dass ihr es wisst. Übrigens, wenn euch Abkürzungen gar nicht liegen, empfehle ich den VGA (Verein gegen Abkürzungen). Also los gehts, mit den Abkürzungen der Woche (ADW):

SAUF

BRUU