Im Kommandoraum der BZ Mitte herzlich wenig. Das würde ich John Milton, seines zeichens englischer Dichter, aus den Erfahrungen der letzten Tage antworten. Sinnvollerweise beinhaltet unser Ausbildungsplan zwei mal eine Nachtschichtwoche, die erste ist soeben zu Ende gegangen. Weniger sinnvoll war die Planung, zeitgleich fanden noch Instruktionen für die frisch gebackenen Fahrdienstleiter statt. So blieben nicht mehr viele Arbeitsplätze übrig. In der ersten Nacht wurde ich regelrecht herumgeschoben, und landete für die letzten vier Stunden in Olten Nord. Auch das nur semi intelligent, weil dieser Knotenpunkt recht komplex ist und wir nicht sehr viel ausrichten können mit unserem Bildungsstand. Schlussendlich sollte es sich aber als Glücksfall erweisen, ich sass neben dem erfahrenen Fahrdienstleiter Andreas und wir kamen schnell ins Gespräch. Er bat mir an, ihn in der nächsten Nacht ins Freiamt im Sektor Aare zu begleiten, dort könne ich definitiv mehr machen. Meine Schulkollegin Paula schaute am nächsten Abend ziemlich verwirrt drein, als ich in „ihrem“ Sektor Platz nahm. Andreas sollte Recht behalten. In Lupfig, Othmarsingen, Brugg und Dottikon wurde bis in die frühen Morgenstunden rangiert. Zu Beginn hatte ich Mühe, mich in all den neuen Bahnhöfen zurechtzufinden. Dafür ging die Zeit vorüber. Müde aber zufrieden machte ich mich mit unserer Biene auf dem Heimweg. Dank den leeren Strassen schaffte ich es von Olten in 45 Minuten nach Hause, neuer Rekord! Zum Glück stellt die Kantonspolizei Solothurn die Blitzer immer am selben Ort auf..
Die weiteren drei Tage war ich in der Önz eingeteilt, Olten-Rothrist bis Langenthal. Nach halb elf wurde es auch hier ruhig. Dafür gab es ein paar Baustellen zu sichern, das konnte ich schon selbstständig machen. Kniffliger waren die Fahrleitungsschaltungen, die bereiten mir immer noch Kopfzerbrechen. Bei einer Schaltung hatte auch mein Instruktor Fabio Fragezeichen, ob unsere Sicherung korrekt sei. Am Schluss konnte unser Disponent (quasi der Chef im Sektor) das Rätsel von Schalter sechs lösen und der Bautrupp konnte pünktlich anrücken.
Die grosse Herausforderung in der Nachtschicht ist es, vom reinen Überwachen zur vollen Aufmerksamkeit zu wechseln. Als passendes Beispiel dazu: In Rothrist meldete sich Sicherheitschefin Vreni, um mit einem Schienenbagger zu rangieren. Sofort sprang bei Fabio und mir die Alarmleuchten an. Ein solches besonderes Fahrzeug muss angemeldet und sein Fahrweg speziell gesichert werden. Auf unserem Stellwerk wird es nicht korrekt angezeigt, da der Achsenabstand zu gering ist. Es könnte überall und nirgends sein und wir würden nicht bemerken, ob wir einen Zug oder Rangier in seine Fahrbahn stellen. Umgehend sicherten wir das Gleis auf dem Vreni mit ihrem Gefährt stand, und gaben ihr leicht genervt eine Instruktion für das nächste Mal. Wenigstens war ich danach wieder hellwach und konnte einen Kaffee auslassen.















