
Darf ich mich vorstellen? Ich bin das Papierbillet 68547407-01 der Verkehrsbetriebe von Paris. Ich bin der letzte noch lebende Nachfahre einer ehemals grossen Billetfamilie. Innerhalb einer Woche habe ich viele meiner Brüder und Schwestern an der Schranke verloren. Ich weiss das unweigerlich das Ende unserer Art näher rückt (Das Ende der Papiertickets), aber noch nie habe ich es so unmittelbar miterleben müssen wie in der letzen Woche. Aber der Reihe nach.
Versendet wurde ich und meine vier Geschwister an eine gewissen Familie Wendel im Mai dieses Jahres. Anscheinend hatten sie vor, wie ich den Diskussionen entnehmen konnte, die Olympischen Spiele in Paris zu besuchen. Sie scheinen gut organisiert zu sein, haben sie mich doch über eine Plattform im Internet zum Voraus gekauf, damit sie am Ankunftstag nicht Schlange stehen müssen. Ich freute mich schon auf meine Einsätze, bis kurz vor Ferienbeginn plötzlich Hektik aufkam. Der Vater hatte einen Bericht gelesen, das ich und meine Familie während den Spielen als illegal eingestuft werden. Die Website der Verkehrsbetriebe bestätigte seinen Verdacht. Mais sacré bleu! Die wollen doch nur die teureren Olympia Pässe mit Chipkarten verkaufen, und unsereins stellt man einfach aufs Abstellgleis! Die Familie hat dann entschieden, es einfach mit uns zu probieren, schliesslich könnten sie mit uns viel Geld sparen.
So kam der Moment der Wahrheit, beim ersten Drehkreuz am Gare du Nord, und siehe da, selbstverständlich funktionierten wir einwandfrei, zufriedene Gesichter und high fives. Aber die Freude währte nicht lange, beim Ausgang in St. Denis versagten die Dienste von Anouks und Sveas Billeten. Wahrscheinlich die Hitze, sagte ich mir. Eine nette Helferin liess sie ohne Probleme durch. Leider wiederholte sich dieses Drama bei der Rückfahrt, und so wurden meine unfähigen zwei Geschwister beim Schalter kurzerhand umgetauscht und entsorgt. Aber die Freude über die Neuankömmlinge währte nur kurz, Sveas neues Billet streikte erneut, worauf sich der Vater entschied, es erneut umzutauschen. Leider war diesmal die Schalterbeamtin besser informiert, und nach langem Diskutieren wurde mein neuer Freund durch einen Olympiapass ersetzt. Ich werde die gemeinse Fahrt auf der RER bleu nie vergessen. Plötzlich lief es mir kalt den Rücken hinunter. Werde ich das nächste Opfer sein? Kann ich solange durchhalten? Ist das meine letzte Fahrt?
à suivre…






















